Medien-Subventionen: Verleger und Politiker am Pranger

Medien-Subventionen: Verleger und Politiker am Prangern

Die Medien-Subventionen werden zur Realsatire. Die Verlagshäuser blamieren sich damit immer mehr. Den Politikern, die schwerreichen Verlegern jährlich 178 Millionen nachwerfen wollen, geht es genauso. Von Bruno Hug.

Wie schädlich und falsch das neue Medien-Subventionsgesetz ist, wird immer deutlicher. Das Referendum gegen die Staatsgeld-Verschwendung an reiche Verleger und deren Aktionäre macht die beschenkten Verlage derart nervös, dass sie sich laufend aufs Neue blossstellen. Ausserdem verdeutlicht der diese Woche bekanntgegebene Zusammenschluss aller grossen Online-Portale der Ringier- und Tages-Anzeiger-Gruppe, wie sorglos die Politik mit dem Geld der Steuerzahler umgeht.

STREIT UM HUNDERTE VON MILLIONEN

Bevor das Parlament das Medien-Subventionsgesetz Mitte Juni absegnete, stritten sich die Verleger monatelang, wer tiefer in die Staatskasse greifen dürfe: Die Kleinverleger, die Online-Verleger oder die Grossverleger? Dann realisierten sie, dass der Streit für ihre unverschämten Subventions-Forderungen schädlich sein könnte. Die Aussicht darauf, dass ihnen Bundesbern neben den jährlich 81 Millionen aus der SRG-Kasse zusätzlich pro Jahr noch 178 Millionen zuschanzen wollte, brachte sie zur Raison. Obendrein schickte ihnen der Bundesrat – einfach so – noch 78 Millionen an Corona-Geld zu. Wer will da noch streiten?

RECHSTEINERS FRAGE

Die Verleger wollten ihre Griffe in die Staatskasse natürlich im Dunkeln tätigen. Sie berichteten über ihre Steuergeld-Jackpots in ihren Medien praktisch nicht und wurden dabei vom linken Polit-Spektrum gedeckt. Dieses liebt es, die Verleger mit Millionen an den Staat zu binden und deren Redaktionen gefügig zu machen. Ob das deren Wähler schätzen?

SP-Ständerat Paul Rechsteiner (SG) fragte öffentlich: «Wer soll schon gegen das neue Gesetz das Referendum ergreifen?» Es kam anders: Das breit abgestützte Komitee staatsmedien-nein.ch ergriff das Referendum. Ihm haben sich gleich noch 72 Parlamentarier sowie ein Basler- und ein Journalisten-Komitee anschlossen.

SPRACHLOSER «TAGI», BLINDE «REPUBLIK»

Dieser Gegenwind bringt die Verleger aus der Fassung. Das linke Online-Portal «Republik», das massiv vom Steuergeld profitieren würde, schrieb dem Referendums-Komitee, es wolle von ihm keine Informationen mehr erhalten. Womit klar wird: Was den sich als «demokratie-relevant» aufspielenden Medien nicht passt, wird der Öffentlichkeit vorenthalten.

Und beim Tages-Anzeiger-Verlag von Verleger-Präsident Pietro Supino hat man die Sprache ganz verloren. Seine TX Group, welche von den Subventionen maximal profitieren würde und im ersten Halbjahr 2021 fast 50 Millionen verdiente, liess Medienanfragen abblitzen. Der Verlag befinde sich bezüglich den 178 Millionen Staatsgeld einer «Quiet Period» (Stille-Periode).

«20 MINUTEN» GEGEN EIGENEN VERLEGER

Weniger «quiet» ist es im Verlagshaus selbst. Der von Chef Supino mit den Politikern ausgehandelte 178-Millionen-Deal sieht vor, dass alle Gratis-Medien vom staatlichen Geldsegen ausgeschlossen wären. Das Kalkül dieser Diskriminierung ist offenkundig: Die reichen Verlage erhalten so noch mehr Steuergeld, während ihre Monopole vor der Gratis-Konkurrenz geschützt werden.
Solch egoistisches Denken kommt selbst im eigenen Haus schlecht an. Supinos Gratiszeitung «20 Minuten» liess mitteilen, der Staat betreibe mit dem Subventions-Gesetz «Wettbewerbsverzerrung».

NZZ-CHEFS DISKREDITIEREN IHRE REDAKTION

Dieselben Gräben tun sich bei der NZZ auf. Ende Juli publizierte deren Redaktion folgendes offizielles Statement: «Die Neue Zürcher Zeitung würde vom Medienförderungsgesetz profitieren. Sie lehnt es ab.»
Nur zwei Wochen später fiel die NZZ-Chefetage ihrer eigenen Redaktion in den Rücken und teilte mit, der NZZ-Verlag unterstütze das Subventions-Gesetz als «sinnvollen Kompromiss»!

VIEL GELD FÜR PR-KAMPAGNEN 

Gegenüber dem Medienportal «persoenlich.com» liess der Verlegerverband wissen, er engagiere zur Durchsetzung seiner Subventionsbegehren zwei (!) PR-Agenturen. Offenbar tun die begüterten Verleger alles dafür, um den Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen und ihre Redaktionen vom Staat abhängig zu machen. Man stelle sich umgekehrt das Geschrei deren Redaktionen vor, wenn die Bauern mit teuren PR-Agenturen mehr Staats-Subventionen fordern würden.

WER WILL SCHON ABZOCKER SEIN?

Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann schrieb in der «Weltwoche» unter dem Titel «Die Villa, die Yacht und das Weingut» mit Hinweis auf die vier führenden Verlage, die im letzten Corona-Jahr volle 275 Millionen verdient haben: «Ich glaube, die Subventionen für Medien gehen in der Volksabstimmung bachab.»
Zimmermann schrieb auch, es sei erstaunlich, wie die Verleger über ihren Subventions-Hunger in ihren Medien kaum berichten.

Wobei diese Frage schnell beantwortet ist: Wer will schon vor seinen Kunden als Abzocker dastehen, der sich vom Staat freien lässt?
Das Referendum «Staatsmedien NEIN» bringt die Subventionsjäger aus dem Konzept. Ihre Reaktionen zeigen es – vom betretenen Schweigen bis zum Selbstwiderspruch. Wer so reagiert, dem fehlen die Argumente.

AUCH POLITIKER MÜSSEN SICH SCHÄMEN

Als Bundesrat und Parlamentarier den Medien im letzten Juni jährlich 178 Million Subventionen zusagten, taten sie das, weil ihnen die Verleger vorjammerten, sie bräuchten das Geld, um die «Transformation» in die digitale Welt zu finanzieren.

Diese Woche verkündeten die zwei grössten Verlage der Schweiz, die TX Group (Tages-Anzeiger etc.) und Ringier, sie würden zusammen mit der Mobiliar-Versicherung die Online-Plattformen ImmoScout24, AutoScout24, MotoScout24, FinanceScout24, anibis.ch, Ricardo, tutti.ch, Homegate und Car For You zu einem digitalen Marktplatz zusammenlegen.

Akteure dieser unheimlichen Marktdominanz sind die Milliardäre Ringier, TX Group, die Versicherung Mobiliar und der internationale Finanzinvestor General Atlantic von Multimilliardär Charles F. Feeney. Geplant ist, dass das gewaltige Konstrukt dereinst an die Börse geht. Mit riesigen Gewinnen für die Verleger.

Politikerinnen und Politiker, die denselben milliardenschweren Verlegern noch Steuergeld zuschanzen wollen, müssten sich vor dem Volk eigentlich schämen.

Artikel aus Linth24 von Bruno Hug, Verleger von linth24.ch und Präsident Verband Schweizer Online-Medien (VSOM).

Original: https://linth24.ch/articles/84316-medien-subventionen-verleger-und-politiker-am-pranger

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Profiteure unter sich

Profiteure unter sich

Werber David Schärer wettert in der «Weltwoche» gegen das Referendum «Staatsmedien Nein». Was er und das Medium verschweigen: Schärer ist Partei und kassiert Geld vom Verlegerverband, der das Referendum bekämpft. Ein Lehrstück in Intransparenz.

David Schärer, Werber und Mitgründer der Agentur Rod Kommunikation, schimpft in der aktuellen «Weltwoche» über den Tech-Giganten Facebook und im selben Atemzug über das von Verlegern, Unternehmen und Jungparteien getragene Referendum «Staatsmedien Nein» (www.staatsmedien-nein.ch). Schärer nennt das Milliardengeschenk an die reichen Verleger schönfärberisch und verschwurbelt ein «neues Gesetz zur Überbrückungsfinanzierung für die Marktfähigkeit der vielfältigen Medienlandschaft». Das Referendum gegen Staatsmedien leiste «ausländischen Quasi-Monopolen» Vorschub und stelle damit die «Meinungssouveränität in Frage».

Cui bono? Wem nützt es? Die Frage stellt sich in diesem Fall ganz besonders. Autor David Schärer hat nämlich ein Mandat vom Verband Schweizer Medien, der das Referendum bekämpft. Seine Agentur Rod Kommunikation hat den lukrativen Auftrag bekommen, eine allfällige Volksabstimmung über das Mediensubventions-Gesetz in Sinne der Subventionsjäger zu beeinflussen. Dass er seine Kolumne in der «Weltwoche» dafür missbraucht, ohne Transparenz darüber herzustellen, dass seine Meinung gekauft ist, ist ein ziemlich starkes Stück. Man könnte auch sagen: ein Lehrstück in Intransparenz.

Kommentar von Dr. Philipp Gut, Journalist, Buchautor, selbstständiger Medienunternehmer und Kommunikationsberater

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Der Verrat der NZZ-Chefs

Der Verrat der NZZ-Chefs

Die NZZ, die Speerspitze der liberalen Medien in der Schweiz, untergräbt beim Medien-Subventionsgesetz ihre eigene Glaubwürdigkeit. Kommentar von Online-Verleger Christian Keller.

Es sind unglaubliche Vorgänge, die sich derzeit bei der NZZ abspielen. Noch vor zwei Wochen bekräftigte das liberale Blatt in einem gross aufgemachten Artikel, die NZZ lehne das Medien-Subventionsgesetz ab, obschon sie davon profitieren würde. Nun ist auf einmal alles anders: Der NZZ-Verlag spricht sich plötzlich für die geplante Medienförderung aus – und fällt mit der Kehrtwende seiner eigenen Redaktion in den Rücken.

NZZ-Präsident gegen Subventionen

Doch beginnen wir von vorne. Noch am 10. Oktober 2020 bekräftigte NZZ-Präsident Etienne Jornod in den hauseigenen Regionalzeitungen auf die Frage, ob der NZZ-Verlag «Staatsgelder ablehnen» würde: «Subventionen sind immer ungesund. Unsere Branche muss fähig sein, ihre Produkte zu verkaufen».
Wieviel ist Etienne Jornods Wort wert – nun, da die Unterschriftensammlung gegen das Mediensubventionsgesetz läuft? Nichts, wie sich dieser Tage herausgestellt hat.
So teilte der NZZ-Verlag diese Woche gegenüber dem Onlineportal «Kleinreport» mit, beim «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» handle es sich um einen «sinnvollen politischen Kompromiss». Wie bitte?

Faustschlag ins Gesicht der Redaktion

 Für die NZZ-Redaktion muss sich diese Aussage wie ein Faustschlag ins Gesicht anfühlen. In mehreren Artikeln hatten sich die Journalistinnen und Journalisten an der Falkenstrasse klipp und klar gegen die Vorlage ausgesprochen und entsprechend positioniert.
NZZ-Redaktor Lucien Scherrer schrieb: «Je mehr sich die Medien wie unrentable Bauernbetriebe vom Staat aushalten lassen, desto leichter lassen sie sich unter Druck setzen.»
Auch NZZ-Inlandchefin Christina Neuhaus lehnte in einem ausführlichen Beitrag das Massnahmenpaket ab und hielt in der Fussnote sogar fest: «Die ‹Neue Zürcher Zeitung› würde vom neuen Medienförderungsgesetz profitieren. Sie lehnt es ab.»

Grosser Schaden für NZZ

Die liberalen Standpunkte, welche die Redaktion vertritt und welche die lange Tradition des Hauses zum Ausdruck bringen, werden nun von der NZZ-Führungsriege über Bord geworfen. Gegen das Subventionitis-Virus, gefährlicher und ansteckender als alle anderen Krankheitserreger in dieser Welt und das Grundübel unserer Zeit, ist man nun auch in der NZZ-Chefetage nicht mehr immun.

Dass eine Zeitung mit einer solch grossartigen Geschichte aus reiner Profitgier unverschämten Mediensubventionen das Wort redet, ist die Enttäuschung des Jahres. Der Imageverlust wurde bei den Überlegungen wohl nicht eingepreist: Die Marke NZZ wird in ihrer Glaubwürdigkeit grossen Schaden nehmen.

Denn die NZZ-Chefs, so ehrlich sollten sie sein, wissen es ganz genau: Dieses geplante Mediensubventionsgesetz schiebt reichen Medienkonzernen (so auch der NZZ) noch mehr Staatsgelder in die Kassen, ist krass wettbewerbsverzerrend, zerstört die Innovation in der Branche und führt die Medien in die staatliche Abhängigkeit.

Ich reibe mir verwundert die Augen

Ich reibe mir noch immer verwundert die Augen, in der Hoffnung, aus einem bösen Traum aufzuwachen. Nicht für Wettbewerb, nicht für Unternehmertum spricht sich der NZZ-Verlag aus – sondern für noch mehr Staat und noch weniger Freiheit.

Das macht mich, als Betreiber eines regionalen Nachrichten-Onlineportals, der noch an den freien Markt und unternehmerische Werte glaubt, einfach nur sprachlos.

Christian Keller ist Herausgeber des Basler Onlineportals «Prime News». Er ist Mitglied im Referendumskomitee «Nein zu staatlich finanzierten Medien».

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60,4 Millionen für verstaubte Strukturen

60,4 Millionen für verstaubte Strukturen

Corona in Zahlen: Die Covid-19-Hilfe für Printmedien symbolisiert die Liebe zum Status quo und einen allzu unbeschwerten Umgang mit Marktverzerrungen

Die Bilder aus Bergamo und Wuhan gingen letzten Frühling um die Welt. Jeder wollte alles über das unbekannte Virus erfahren – und dennoch traf die Covid-19-Pandemie die Medienbranche hart. Allein im April 2020 verzeichneten Printmedien einen Einbruch des Werbeumsatzes von 43% im Vorjahresvergleich. Wenig überraschend machten auch Medienunternehmen regen Gebrauch von den allgemeinen, branchenneutralen Unterstützungen wie Liquiditätskrediten und Kurzarbeit. Dessen ungeachtet beschloss das Parlament im Jahr 2020 noch weitergehende Subventionen, und zwar in drei Teilbereichen: 30 Mio. Fr. als À-fonds-perdu-Beiträge an Radio- und Fernsehveranstalter, 10 Mio. Fr. an die Keystone SDA-Abogebühren der Online-Medien und 20,4 Mio. Fr. über die indirekte Presseförderungen an die Printpresse.

Gewisse Branchen sind gleicher als andere

Diese Unterstützungsleistungen gehen zwar im Covid-19-Budget 2020 von rund 31 Mrd. Fr. fast vollkommen unter, es macht sie deswegen nicht minder problematisch. Einer kritischen Analyse halten sie nicht stand, was gerade die Unterstützung der Printmedien exemplarisch zeigt:

  • Erstens sind nicht alle Printmedien förderberechtigt, sondern nur abonnierte Tages- und Wochenzeitungen. Pendlerzeitungen gehen leer aus.
  • Zweitens subventioniert die indirekte Presseförderung nur die Tageszustellung durch die Post, was einzelne Abo-Zeitungen benachteiligt, denn Sonntags- und Frühzustellungen werden durch private Logistikanbieter erbracht.
  • Drittens wurde die Förderberechtigung anhand willkürlicher Kriterien erteilt. Die Zustellkosten von Titeln mit einer Auflage von höchstens 40’000 Exemplaren wird ganz übernommen, Titel mit einer Auflage von mehr als 40’000 Exemplaren erhalten 27 Rp. Subvention pro Zustellung.
  • Viertens wirken die Unterstützungen strukturerhaltend. Medienhäuser mit einem ausgeprägtem Onlineauftritt und ohne Keystone-SDA-Abo fallen komplett durch das Raster.

Aus Blog der Denkfabrik „avenir suisse“; Autor Laurenz Grabher; Link: https://www.avenir-suisse.ch/medienunterstuetzung_ein_oekonomischer_suendenfall/

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Die Villa, die Jacht, das Weingut

Die Villa, die Jacht, das Weingut

Kurz W. Zimmermann schreibt in der Weltwoche: Er glaubt, die staatlichen Subventionen für die Medien gehen in der Volksabstimmung bachab.

Kennen Sie die Villa von Michael Ringier in Küsnacht, in der ein Teil seiner Kunstsammlung hängt? Sie werden sie vermutlich bald kennenlernen.

Kennen Sie die Segeljacht von Pietro Supino am Mittelmeer, auf der er seine Sommerferien verbringt? Sie werden sie vermutlich bald kennenlernen.

Kennen Sie das Schloss von Peter Wanner in Würenlos und seine Weingüter, die sich darunter erstrecken? Sie werden sie vermutlich bald kennenlernen.

Sie werden sie bei der Volksabstimmung zum Mediengesetz kennenlernen. Es wird eine Abstimmung mit Klassenkampf-Kolorit.

«Nein zu Steuermilliarden für Medienmillionäre» ist ein zentraler Slogan des Komitees, das nun die Unterschriften für das Referendum gegen das Mediengesetz sammelt.

Der Ansatz hat etwas. Das neue Mediengesetz, eben im Parlament beschlossen, schüttet zusätzlich um die 140 Millionen Franken im Jahr an die privaten Medienhäuser aus. Das macht in den sieben Jahren, auf die das Gesetz angelegt ist, total eine Milliarde Franken.

Ein hübscher Teil dieser Milliarde wird an die grossen Medienhäuser gehen, also an die Familien von Michael Ringier, Pietro Supino und Peter Wanner. In der Abstimmung werden ihre teuren Villen, Boote und Weingüter zum Thema der Kampagne werden.

Denn die Medien-Milliarde ist selbst im Schweizer Subventionsdschungel ein Sonderfall. Von den jährlichen 42 Milliarden Franken an Subventionen geht sonst kein Geld an profitorientierte Grossunternehmen in Familienbesitz. Das Geld fliesst für anderes, von Landwirtschaft bis Asylwesen.

Insofern trifft das «Nein zu Steuermilliarden für Medienmillionäre» schon einen heiklen Punkt. Nach der Liste des Wirtschaftsmagazins Bilanz ist die Familie um Michael Ringier, die rund 70 Prozent des Unternehmens besitzt, eine knappe Milliarde schwer. Die Familie um Pietro Supino, die gut zwei Drittel ihrer TX Group hält, kommt auf ein Vermögen von etwa 800 bis 900 Millionen. Die Familie von Peter Wanner, dem die Hälfte von CH Media gehört, dem drittgrössten Medienkonzern des Landes, liegt beim Vermögen auch im dreistelligen Millionenbereich.

 

Noch besser sieht die Sache aus, wenn man ihren Firmenerfolg betrachtet. Selbst im letzten Jahr, dem Jahr der Corona-Wirtschaftskrise, machten die Unternehmen von Ringier, Supino und Wanner zusammen einen operativen Gewinn von exakt 257,8 Millionen Franken.

Warum soll der Steuerzahler solche Millionengewinne zusätzlich aufpolieren?

Ich war bis jetzt dennoch ein Befürworter der geplanten Mediensubventionen. Ich sagte mir: Unsere Presse hat seit 1848 so viel für eine funktionierende Demokratie in unserem Bundesstaat getan, dass sie nun auch mal eine staatliche Gegenleistung einstreichen darf, eine Art Payback für geleistete Dienste.

Inzwischen bin ich skeptisch. Denn die Gelder gehen nun nicht nur an die verdienten Zeitungsverlage. Sie sprudeln auch in irgendwelche Online-Portale, die noch nichts von Belang geleistet haben. Die meisten, weil alternativ getrieben, sind für die echte demokratische Meinungsbildung überflüssig und im Markt darum in aller Regel erfolglos. Warum soll der Staat so etwas durchfüttern?

 

Es ist klar, warum. Die meisten dieser Internet-Portale sind links-grüne Polit-Plattformen. Die Sozialdemokraten und die Grünen haben darum im Parlament wie verrückt darauf gedrängt, dass Steuergelder in diese Redaktionen ihrer Gesinnungsgenossen fliessen. Ausserhalb von Teilen der SRG und Teilen des Tages-Anzeiger-Verbunds hat Links-Grün sonst keine verlässlichen Verbündeten in der Medienbranche. Darum braucht es eine linke und staatlich finanzierte Online-Szene.

Ich glaube, ich schwenke darum zu einem Nein zum neuen Mediengesetz. Die Finanzierung von Ideologie ist nicht Staatsaufgabe. Das ist seit je private Sache.

Die Abstimmung zum Mediengesetz ist vermutlich im nächsten Frühjahr. Dass im Referendum die nötigen Stimmen zusammenkommen, scheint kein allzu arges Problem. Nach kurzer Zeit schon sitzen im Komitee, rekordverdächtig, 66 aktive National- und Ständeräte aus SVP, FDP und CVP. Auch die Spitze der Grünliberalen ist gegen das Gesetz.

Ich glaube darum, die Mediensubventionen gehen in der Volksabstimmung bachab.

Ich glaube es auch, weil SP und Grüne sich bei ihrer Klientel verkalkuliert haben dürften. «Nein zu Steuermilliarden für Medienmillionäre». Solch klassenkämpferische Töne hört jeder brave Linke gern.

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275 Millionen Gewinn im Leichenhaus

275 Millionen Gewinn im Leichenhaus

Kurz W. Zimmermann schreibt in der Weltwoche: Die Verlage melden glänzende Gewinne. Die Politik will sie dennoch kräftig subventionieren.

Eine Zahl, wie man weiss, sagt mehr als tausend Worte. Die Zahl ist 275 Millionen Franken.

275 Millionen an operativem Gewinn haben die vier führenden Schweizer Verlage zusammen im Jahr 2020 eingefahren. Es ist der kumulierte Profit von TX Group, Ringier, CH Media und NZZ-Gruppe.

Nur zur Erinnerung: Wir reden vom sogenannten Corona-Katastrophenjahr 2020.

Bevor wir zu den Details der 275 Millionen kommen, streuen wir zwei Zitate aus den letzten Mediendebatten im Parlament ein. «Die wirtschaftliche Situation der Medien verschlechtert sich zunehmend», wusste etwa CVP-Nationalrat Martin Candinas. «Den Medienhäusern steht das Wasser bis zum Hals», wusste SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher.

Die Medienhäuser im Leichenhaus? Angesichts von 275 Millionen Franken Gewinn, allein bei den Big Four, ist das natürlich Unsinn.

Die Faktenlage ist eindeutig. Den Verlagen geht es angesichts der wirtschaftsfeindlichen Umstände glänzend. Das ärgert natürlich die Politiker, vor allem die linken Politiker. Sie wünschen sich eine siechende Verlagsbranche, die sie mit staatlichen Geldern erretten und dank der Errettung dann besser beaufsichtigen können.

Kommen wir zu den Details der 275 Millionen.

Klassenprimus ist CH Media mit ihren zwanzig Tageszeitungen und gleich vielen Radio- und TV-Kanälen. Im Corona-Jahr 2020 schwamm das Unternehmen nur so im Geld. Vierzig Millionen Franken wurden darum neu investiert, etwa für die Rechte an der Champions League, mit je dreissig Millionen baute man Schulden ab und stockte das Eigenkapital auf. Am Schluss blieb dennoch ein operativer Gewinn von 43 Millionen, deutlich mehr als vor der Pandemie.

Gut schlug sich auch die NZZ-Gruppe, die mit einem Gewinn von rund 25 Millionen Franken das Vorjahresergebnis egalisierte. Bemerkenswert daran ist, dass die Profite fast nahezu aus dem journalistischen Angebot stammen, weil die NZZ, dies im Gegensatz zu anderen Medienfirmen, keine digitalen Handelsgeschäfte betreibt.

Bei der TX Group, der früheren Tamedia, ist es umgekehrt. Hier rentierte alles, ausser das Segment des Journalismus. Bei den Blättern des Tages-Anzeiger-Verbunds und der 20-Minuten-Gruppe setzte es 2020 ein finanzielles Desaster ab. Zum Glück holten die kommerziellen Portale wie Homegate.ch, Jobs.ch und Ricardo.ch das Geld wieder herein, so dass am Schluss ein operativer Gewinn von gut 130 Millionen Franken heraussprang, 65 Millionen weniger als im Vorjahr.

Auch Ringier schlug sich gut. Bis im Sommer sahen die Prognosen zwar düster aus. In der zweiten Jahreshälfte zog dann der E-Commerce gewaltig an, weil Corona für Schub im Online-Handel sorgte. Ringier kommt dadurch auf einen operativen Gewinn von gegen 80 Millionen Franken, 35 Millionen weniger als im Vorjahr, aber doppelt so hoch wie erst erwartet.

Bei diesen guten Zahlen muss man allerdings einen Nebeneffekt einkalkulieren. Ausser Ringier und NZZ-Gruppe waren die Verlagshäuser über längere Zeit in Kurzarbeit. Ohne diesen Zuschuss wären die Gewinne geringer ausgefallen.

Dennoch: Das Bild der Branche ist erfreulich. Denn auch die mittelgrossen und kleineren Verlage von Tageszeitungen – von Südostschweiz bis Walliser Bote – stehen solide da. Kein Zeitungsverlag schrieb 2020 rote Zahlen.

Die privaten Medien haben, objektiv betrachtet, darum keine zusätzliche Staatshilfe nötig. Der Bundesrat und das Parlament sehen das anders. Sie haben während Corona die Subventionen für die Branche um 120 Millionen Franken angehoben. Insgesamt subventioniert der Staat über direkte Zuschüsse, verbilligte Postzustellung und Steuererleichterungen die privaten Medienhäuser nun bereits mit 480 Millionen Franken im Jahr.

Natürlich verteilt der Staat diesen Segen nicht ohne Gegenleistung. Die Politik sagt zwar nicht: Wer zahlt, befiehlt. Sie sagt es anders: Wer zahlt, erwartet Dank.

Die Dankbarkeit ist bereits allerorts sichtbar. Noch nie standen die Journalisten so geschlossen hinter der Landesregierung wie in den letzten zwölf Monaten. Das Tages-Anzeiger-Netz beispielsweise, die grösste Pressegruppe des Landes, wandelte sich zur unkritischen PR-Truppe des Bundesrats und verteidigt ihn bis heute reflexartig gegen alle Kritiker. Die anderen Verlage, mit Ausnahme der NZZ, agierten auch nicht viel unabhängiger.

Man kann es verstehen. Man beisst nicht die Hand, die einen füttert. Auch dann nicht, wenn man gar kein Futter braucht.

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