Gewinne privatisieren und selbst verursachte Monopol-Kosten den Steuerzahler zahlen lassen – so geht es nicht!
Die Gewinne privatisieren und die sich selbst verursachten Monopol-Kosten von den Steuerzahlern bezahlen zu lassen – so geht es nicht!
Einen Tag nach Startschuss zu seiner neuen TV-Sendung «Schawinski» auf «Blue Zoom» äussert sich Roger Schawinski in einem Interview auf den CH-Media-Portalen zum Medienpaket, über welches am 13. Februar abgestimmt wird. Im Interview mit Patrik Müller, Chefredaktor der Zentralredaktion von CH Media, outet sich der Medienpionier als Gegner der Vorlage.
Das Medienpaket sei zu wenig ausgewogen. Mit der Förderung der Onlinemedien könne er noch leben, das «Hauptproblem» sei die Erhöhung der Subventionen für die Zustellung der Zeitungen. Der Grund: die Verleger hätten das Monopol der Post selber geschaffen.
Früher, so Schawinski, hätten diese eine eigene Vertriebsorganisation besessen, in Zürich die Zuvo, an welcher die Tamedia massgeblich beteiligt gewesen sei. Durch den Verkauf an die Post sei die jetzige Situation entstanden. Schawinskis Fazit: «So geht es nicht! Die Gewinne privatisieren und die sich selbst verursachten Monopol-Kosten von den Steuerzahlern bezahlen zu lassen.»
Forderung nach Auswechslung an der SRG-Spitze
Im Weiteren fordert Schawinski die Auswechslung «gewisser Leute» an der SRG-Spitze. Es brauche dort «Leute, die das Medium lieben und das TV-Programm ins Zentrum stellen und nicht irgendwelche verblasene Distributionsstrategien, mit denen man sich modern und sexy geben will», so Schawinski. Welche Personen er konkret meinte, liess er im Interview offen.
Erschienen am 31. Januar auf persoenlich.com
Das Vorurteil «Gratismedien sind nichts wert» verseucht die neuen Subventionen
Das Vorurteil «Gratismedien sind nichts wert» verseucht die geplanten neuen Subventionen für den Onlinejournalismus
Edgar Schuler, Inlandredaktor des Tages-Anzeigers, erklärt in einem Beitrag, weshalb die geplanten Mediensubventionen an der Wirklichkeit und am Bedürfnis des Publikums vorbei investiert wären.
Die folgenden Zitate von Edgar Schuler sind aus dem Beitrag im Tagesanzeiger:
«Die drohende Informationswüste ist eine Legende, das Absterben der politischen Debatte ein Trugbild. Nie zuvor konnte man sich schneller, umfassender, besser informieren. Nie wurde mehr über Politik diskutiert, auf traditionellen Plattformen, aber auch auf neuen.»
«Das Vorurteil «Gratismedien sind nichts wert» verseucht die geplanten neuen Subventionen für den Onlinejournalismus.»
«Damit bevorzugt der Staat einseitig ein einzelnes Geschäftsmodell. Und zwar ausgerechnet eines, das sich bisher als wenig erfolgversprechend erwiesen hat.»
«Die zusätzlichen Mittel fliessen zu einem erheblichen Teil nicht dorthin, wo sie die Probleme der Medien ernsthaft lindern könnten.»
«Besser lässt sich kaum demonstrieren, dass die 151 neuen Subventionsmillionen an der Medienwirklichkeit und am Bedürfnis des Publikums vorbei investiert wären.»
Brisante Enthüllung: Grossverlage und Bundesrat stecken unter einer Decke
Brisante Enthüllung: Grossverlage und Bundesrat stecken unter einer Decke
Das Video mit den entlarvenden Aussagen von Marc Walder («Wir wollen die Regierung unterstützen») ist offenbar kein Einzelfall. Inside Paradeplatz veröffentlichte heute eine e-Mail von Marc Walder an andere Verleger und CEOs, um sie auf einen gemeinsamen Kurs mit dem Bundesrat zu bringen.
An Silvester wurde aufgedeckt, dass Ringier-CEO Marc Walder die Redaktionen des Medienkonzerns weltweit anwies, in der Pandemie die Regierung zu unterstützen. Die Enthüllung löste im In- und Ausland einen Sturm der Entrüstung aus. Der Tenor: Das sei «Gift für die Demokratie» (Tages-Anzeiger) und untergrabe die Glaubwürdigkeit des Journalismus.
Beim Verursacher Ringier versuchte man den Brand zu löschen. Selbst Verleger Michael Ringier schaltete sich ein und meinte, das sei keine «Sternstunde» seines obersten Angestellten gewesen – so die Sprachregelung. Gleichzeitig beeilte sich Ringier zu betonen, es sei alles nicht so gemeint und bloss unglücklich formuliert gewesen.
PR-Aktion in Absprache mit Bundesrat
Doch nun zeigt sich: Das Video mit den entlarvenden Aussagen von Marc Walder («Wir wollen die Regierung unterstützen») war kein Einzelfall. Die hautenge Kooperation mit dem Staat ist Programm. Das Internet-Portal Inside Paradeplatz liefert nun einen weiteren Beweis dafür. Und zwar in Form eines E-Mails von Walder an die «lieben Chefs» und «lieben Kollegen» der tonangebenden Medienkonzerne in der Schweiz. Darunter sind Pietro Supino, Verlegerverbandspräsident und Verwaltungsratspräsident der TX Group, Peter Wanner, Vize-Präsident des Verlegerverbands und Verwaltungsratspräsident der CH Media, sowie die Verlagschefs dieser und anderer Grossverlage, von der NZZ bis zur gebührenfinanzierten SRG. Ebenfalls adressiert ist das Schreiben an die Spitzen des Verlegerverbands, der aktuell die Ja-Kampagne für das Mediengesetz führt.
In dem Schreiben fordert Walder die Verleger und Verlagsleiter dazu auf, dafür zu sorgen, dass in ihren Medien im redaktionellen Teil – und sogar auf der «Front» – prominent ein Inserat des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) sowie entsprechende Online-Banner erscheinen («Seien Sie solidarisch: Bleiben Sie zu zuhause!»).
Entlarvendes «Wording»
Dass es sich dabei nicht etwa um einen Sololauf von Marc Walder handelte, sondern um eine bis ins Detail mit Bundesbern abgestimmte Aktion, stellt Walder gleich selbst klar: «Der Bundesrat hat heute informell diese Aktion der Schweizer Medien sehr begrüsst und ist dankbar für dieses Engagement.» Doch dann warnt Walder, die gemeinsame Aktion von Medienkonzernen und Regierung dürfe gegen aussen nicht als solche erscheinen.
Bundespräsidentin eingespannt
Der Hinterzimmer-Plan ging auf. Auch die Verlagschefs der TX Group, von CH Media und NZZ gaben den Marschbefehl an ihre Redaktionen weiter und diese setzen ihn gehorsam um. Die Inserate und Banner erschienen in ihren Medien ebenfalls, beim «lieben Peter» Wanner von CH Media sogar auch auf der Front.
Walder versprach für die Big Four der Schweizer Medienlandschaft (Ringier, TX Group, CH Media, NZZ) gleich auch noch Redaktions-Hilfe aus dem Bundesrat. O-Ton Walder: «Bundespräsidentin Sommaruga liefert einen Text (2700) Zeichen, eine Art Rede zur Nation heute Nachmittag. Ich werde ihn Euch umgehend zukommen lassen.»
Abgekartete Machtspiele
Für die Grossverlage kommt die jüngste Enthüllung zum dümmsten Zeitpunkt: Am 13. Februar stimmen die Schweizerinnen und Schweizer über das Mediengesetz ab, das genau diese vier marktbeherrschenden Medienhäuser mit Steuergeld in Millionenhöhe überschütten will. Dabei behaupten die Verleger, das Staatsgeld stärke ihre Unabhängigkeit, die Meinungsfreiheit und die Demokratie …
Mit der jüngsten Entwicklung ist der Fall Walder definitiv zu einem Fall der marktbeherrschenden Schweizer Medienkonzerne geworden. Er illustriert zudem die staatspolitisch schädliche Wirkung der Medienkonzentration: Wenn die vier Grossen mit dem Bundesrat an den Tisch sitzen und gemeinsame Sache machen, dann erreichen sie einen Grossteil der Leserinnen und Leser in der Schweiz. Ob diese solche abgekarteten Machtspiele allerdings weiter goutieren und die Medienkonzerne mit ihrem Steuergeld finanzieren wollen, wird sich am 13. Februar weisen.
Erschienen am 29. Januar auf INSIDE PARADEPLATZ.
Black Box Presseförderung
Auszüge aus dem Artikel
In der SRF-«Arena» vom 21. Januar zum Mediengesetz stellte Moderator Sandro Brotz eine wichtige Frage. Leider erhielt er keine Antwort. Denn die wäre noch wichtiger gewesen als seine Frage. Anstatt die Frage zu beantworten, wich Sommaruga aus und sagte mit anderen Worten, was sie schon zuvor gesagt hatte…
… selbst wenn die Stimmberechtigten in der Abstimmung vom 13. Februar 2022 die zusätzlichen 70 Millionen Franken für die indirekte Presseförderung annehmen sollten, gibt es keine Garantie dafür, dass diese die Existenz der heute noch erscheinenden Regional- und Lokalzeitungen mittelfristig sichern können. Wenn Abozahlen und Werbeerträge weiter zurückgehen, wovon auszugehen ist, dann ist die Entlastung bei den Vertriebskosten ein Tropfen auf den heissen Stein …
… Auch die 70 Zeitungen, die seit 2003 ihr Erscheinen eingestellt haben, profitierten von ermässigten Posttarifen – und überlebten trotzdem nicht …
… eine Weiterführung der indirekten Presseförderung wäre nur dann sinnvoll, wenn sich deren Wirksamkeit und Wirkung belegen liesse. Weil solche Angaben aber fehlen, können die Stimmberechtigten gar nicht richtig beurteilen, ob sie einem tauglichen Instrument zustimmen oder ein Fass ohne Boden öffnen.
Erschienen am 28. Januar in der MEDIENWOCHE.
Bund macht subventionierten Online-Portalen Vorgaben. Und uns ein ungutes Gefühl.
Bund macht subventionierten Online-Portalen Vorgaben. Und uns ein ungutes Gefühl.
Mit dem Mediengesetz sollen Online-Portale durch Steuergelder unterstützt werden. Wer an die Millionen will, muss aber Voraussetzungen der Behörden erfüllen. Dazu müssen die Medien elf verschiedene Vorgaben erfüllen. Einige davon sind schwammig. Und bieten den Behörden viel Interpretationsspielraum beim Sprechen der Bundesmillionen.

Das Wichtigste aus dem Artikel in Kürze:
Das neue «Bundesgesetz über die Förderung von Online-Medien», kurz BFOM, macht elf Vorgaben, welche erfüllt sein müssen, um an die staatlichen Honigtöpfe zu gelangen.
Ein weiterer Artikel dazu erschien auf soaktuell.ch, den News für Aargau-Solothurn.
Tamedia will Dividenden auszahlen: Weil sie in der Pandemie Hilfsgelder bezog, droht ein Verfahren
Tamedia will Dividenden auszahlen: Weil sie in der Pandemie Hilfsgelder bezog, droht ein Verfahren
Der Zürcher Medienkonzern bezieht Covid-Hilfsgelder und dürfte deshalb für 2021 keine Dividenden auszahlen. Doch solche sind angekündigt. Nun läuft ein Verfahren beim Bundesamt für Kommunikation. Dazu sind heute mehrere Artikel erschienen (Luzerner Zeitung, St.Galler Tagblatt).
Da soll noch einer sagen, der TX Gruppe gehe es um Medienvielfalt und die kleinen Verlage – es geht schlicht um die eigene Tasche, bezahlt mit Steuergeld.
«Wir überleben, weil wir gesund sind»
Herr Good, in den letzten 18 Jahren sind schweizweit mehr als 70 Zeitungen verschwunden.
Und wir sind immer noch hier.
Glücklicherweise. Aber weshalb?
Der «Sarganserländer» pflegt einen Qualitätsjournalismus, der sehr regional geprägt ist. Das ist unsere DNA und gleichzeitig auch das, was unsere Leserschaft will: der Turnverein mit seinem «Chrinzli» hier, der Judoklub mit seinem Vereinsjubiläum dort oder die Trachtengruppe mit ihrem Heimatabend da. Dass die Zeitung so lokal und so vielfältig ist, macht sie so interessant. Und genau das ist meiner Meinung nach unser Erfolgsrezept.
Was haben denn andere lokale Medien, die heute nicht mehr existieren, falsch gemacht?
Ohne es genau zu wissen, würde ich behaupten, dass es diese Medien verpasst haben, sich zum richtigen Zeitpunkt den Spiegel vorzusetzen und sich zu fragen: Sind wir richtig organisiert, um bestehen zu können? Haben wir die richtige Grösse? Können wir etwas auslagern, statt es selber zu produzieren? Ist es möglich, Kooperationen einzugehen, ohne die Eigenständigkeit zu verlieren?
Mit oder ohne Medienförderungsgesetz – heisst das, für den Verwaltungsrat der «Drucki» ist es irrelevant, wie die Abstimmung ausgeht?
Wir lehnen die Vorlage mehrheitlich ab, weil wir das Gefühl haben, dass das Mediengesetz – in der Form, wie es heute vorliegt – «weder Fisch noch Vogel» ist. Heisst: Es ist nicht ausgewogen. Einfach den Topf ausdehnen, noch grösser machen, damit auch die «Kleinen» etwas bekommen – das kann nicht die Lösung sein. Denn obwohl das Gesetz wohl den kleinen Verlagen hilft, nützt es mehrheitlich doch den grossen.
Aber sind denn nicht die kleinen, unabhängigen Lokalzeitungen – wie sie der «Sarganserländer» eine ist – das beste Argument für das Mediengesetz?
Nein. Beziehen wir das nicht nur auf uns und schauen wir einmal das grosse Ganze an. Ich persönlich habe nämlich ein wenig Angst davor, dass man mit Steuergeldern gewisse Strukturen erhält, obwohl es vielleicht Zeit wäre, über andere Modelle nachzudenken. Das ist für mich der springende Punkt: dass eine Strukturbereinigung nicht geschieht, nur weil Geld vom Bund fliesst, das einigen Verlagen das Überleben sichert. Aber eben – uns würde das nicht betreffen. Wir überleben, weil wir gut strukturiert und finanziell gesund sind und alles daransetzen, finanziell gesund zu bleiben.
Was spricht denn gegen das Mediengesetz, wenn man sich die grossen Verlage anschaut?
Diese haben es schlicht nicht nötig. Klar, die grossen Verlage haben sich gross gemacht. Sie haben gut verdient und richtig investiert – wollen mittlerweile aber mit Titelkäufen ihren Wirkungsgrad noch mehr ausweiten, um noch mehr Einheitsbrei verbreiten zu können. Diese Medienkonzentration – vier Grossverlage, die versuchen, den gesamten Markt zu beherrschen – ist überhaupt nicht gut.
Manchmal ist Reden Silber und Schweigen eben doch Gold. Gilt das auch für die «Drucki» – oder weshalb hat der Verwaltungsrat seine Haltung zum Mediengesetz nicht aktiv kommuniziert?
Wir sind unabhängig, so gesehen würde uns das Gesetz nur wenig helfen. Der Verwaltungsrat muss seinen Job gut machen, indem er dem Management und der Belegschaft die Mittel zur Weiterentwicklung unserer Produkte zur Verfügung stellt – damit wir die Leserschaft gut bedienen können und erfolgreich bleiben. Ich denke, dass die Auswirkungen der Medienförderung bei uns nur unwesentlich ins Gewicht fallen.
Dieser Artikel erschien am 25. Januar im sarganserlaender.ch
Eidg. dipl. Staatsfeder
Noch bis vor wenigen Jahren gab es Leuchtturmmedien wie grosse Zeitungen oder grosse TV-Sender. Berichteten diese, konnte man davon ausgehen, dass es ein Grossteil der interessierten Bevölkerung mitbekommt. Mit dem Aufkommen des Internets jedoch hat sich die Aufmerksamkeit zersplittert und verteilt. Vermeintliche Leuchtturmsendungen wie die «Tagesschau» erreichen längst nur noch einen kleinen Teil der Bevölkerung. Ihr Publikum ist abgewandert zu anderen Medien, Portalen, Netzwerken. Die beklagten Gründe sind vielfältig: einseitige und unvollständige Berichterstattung, zu grosse Nähe gegenüber den Behörden, unerwünschte Indoktrination.
Die Demokratisierung der medialen Produktionsmittel bringt Journalismus und Medienangebote im Überfluss. Das Angebot an direkt und indirekt finanzierten Medien ist in den letzten Jahren explodiert. Konsumenten haben Möglichkeiten wie noch nie, sich frei und vielfältig zu informieren und sich ein Medienangebot nach Gusto und Interesse zusammenzustellen. In der Folge sind viele neue Medienproduzenten aufgetaucht, und das ist grundsätzlich eine Bereicherung. Der Berufsstand des Journalisten in der liberalen Rechtsordnung benötigt nur wenige formale Anforderungen, es ist eine Errungenschaft der Aufklärung: Alle Bürger sollen sich als Journalisten betätigen können; hindernisfrei und ohne Einschränkungen wie Bewilligungen, Ausbildungen oder Diplome.
Einmischung der Behörde
Je stärker der Berufsstand reguliert wird, desto enger und einseitiger wird die Auswahl der Journalisten. Bereits jetzt haben nur wenige mit Wirtschaftserfahrung oder ohne abgebrochenes oder abgeschlossenes Studium den Weg in den Journalismus gefunden. Das Massnahmenpaket für die Medien, über das am 13. Februar 2022 in der Schweiz abgestimmt wird, führt zu stärker vom Staat regulierten Journalisten, die zudem in eine Abhängigkeit von der öffentlichen Hand getrieben werden. In Artikel 76 mischt sich das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) verhängnisvoll in die freie Medienlandschaft ein und drängt sich auf mit finanzieller Unterstützung in den Bereichen Aus- und Weiterbildung, digitale Infrastrukturen und Agenturleistungen, aber auch beim Aufbau von Selbstregulierungsorganisationen. Mit dem Ausbau der Finanzierung der Postzustellung werden Printmedien einseitig bevorteilt. Das Bakom betreibt so eine unnötige Industriepolitik, die Medien weiterleben lässt, welche ohne staatliche Unterstützung kaum überleben würden. Auch wenn die Schweiz seit 1849 eine Form der indirekten Medienförderung kennt, ist aus liberaler Sicht nur eines richtig: Der Staat hat sich komplett aus den Medien herauszuhalten. Nur so sind die Medien frei, die Leistung von Verwaltung und Politik ohne falsche Zurückhaltung kritisch zu beurteilen.
Besonders interessant ist, dass Verlage mit funktionierenden Geschäftsmodellen staatliche Förderung beanspruchen wollen: Die florierenden Grosskonzerne Ringier und TX Group würden Gelder erhalten, aber auch etwa das erfolgreiche Start-up «Republik», das mit aktuell rund 29 000 zahlenden Abonnenten selbsttragend ist. Das Problem mit Subventionen ist natürlich, dass sie den Markt verzerren. Wer (wie der «Schweizer Monat») keine solchen Gelder annehmen will, sieht sich gegenüber Medien, die Subventionen beziehen, im Wettbewerbsnachteil. Wollen sie gleiche Voraussetzungen haben, sehen sie sich dazu gedrängt, ebenfalls staatliche Gelder anzunehmen. Dreht sich diese Spirale weiter in Richtung staatliche Finanzierung, bedeutet das ein Weniger an Medienvielfalt. Vollständig privat finanzierte Firmen, wie es sie in der Schweiz zum Glück noch gibt, haben dann keine entsprechenden Medien mehr, die sie publizistisch vertreten. Auf lange Frist wird die Schweiz so weniger liberal und büsst aufgebaute Wettbewerbsvorteile ein.
Im Gegensatz zur bisherigen indirekten Medienförderung beinhaltet das neue Massnahmenpaket auch ein Bundesgesetz zur Förderung von Online-Medien (BFOM), das Konditionen zur Förderung aufstellt, die von staatlicher Seite her geprüft und bewilligt werden müssen. Auch wenn die Anforderungen harmlos und leicht erfüllbar daherkommen, ist das ein unnötiges mögliches Einfallstor, um die journalistische Freiheit zu beschränken. Staatsangestellte sind nicht die Richtigen, um zu entscheiden, welche Online-Angebote eine Finanzierung erhalten sollen und welche nicht. Gefährlich ist das Massnahmenpaket vor allem auch deshalb, weil es irreversible Entwicklungen in Gang bringt. Zieht der Staat einmal die Fäden in der medialen Privatwirtschaft, wird er auch Einfluss nehmen wollen. Die Kriterien, die zur Förderung berechtigen, können künftig mit vermeintlich sanften Mitteln angepasst werden, etwa mit Quotenregelungen, vielleicht auch mit einer gewissen Anzahl von Artikeln zum Thema Klimaschutz. Noch ist das nicht absehbar, aber in der Coronakrise haben wir gesehen, wie rasch es gehen kann: Soziale Netzwerke etwa haben sich ziemlich willfährig staatlicher Zensur gebeugt.
Funktionierende Geschäftsmodelle
Überhaupt sollte man die Idee, dass Medien etwas sind, das gefördert werden soll, kritisch sehen. Nichts gegen Boulevardportale wie 20min.ch oder Blick.ch. Was sie machen, ist von der Meinungsäusserungsfreiheit in den allermeisten Fällen gedeckt. Dennoch kommt man nicht umhin, festzustellen, dass sie die Aufmerksamkeit, mit der sie Werbung verkaufen, erlangen, indem sie das Reptiliengehirn in uns ansprechen, das Stammhirn, das stark auf existenzielle Bedrohungen wie Spaltung der sozialen Gruppe oder Todesgefahr reagiert. So sind die meistgeklickten und meistdiskutierten Artikel jene, die Konflikte in der Gesellschaft heraufbeschwören und bewirtschaften (etwa zwischen Geimpften und Ungeimpften) oder Angst säen und verbreiten (etwa mit einer panikschürenden Berichterstattung über Einzelschicksale). Während ersteres den Zusammenhalt des Landes gefährdet, greift letzteres die Gesundheit der Psyche von Medienkonsumenten an. Sein Geld so zu verdienen, ist ein legales Geschäftsmodell, aber sicher nicht etwas, das staatlich finanziert werden muss.
Bereits jetzt sind viele Journalisten nur wenig kritisch gegenüber der Staatsmacht. Mit diesem Mediengesetz drohen sie zu Schosshündchen des Staats zu werden. Ein freies Land mit liberaler Tradition wie die Schweiz benötigt jedoch das Gegenteil: mehr Medien und Journalisten, die staatsfern sind. Das Massnahmenpaket muss deshalb abgelehnt werden.
Kritische Publizistik, die auch erfolgreich ist, bleibt eine Herausforderung. Gefordert sind dabei auch Abonnenten und Mäzene: Wenn niemand bereit ist, freiheitliche Medien zu finanzieren, werden die unfreiheitlichen übernehmen.
Erschienen im Schweizer Monat.
Eine Frühzustellung mit dem Töffli am Morgen früh im Quartier ist nicht förderungswürdig
Eine Frühzustellung mit dem Töffli am Morgen früh im Quartier ist nicht förderungswürdig
Jürg Grossen, Parteipräsident der Grünliberalen, ist nicht Mitglied unseres Komitees, dennoch gegen das neue Mediengesetz. Seine Gründe für das NEIN erklärt er äusserst sachlich im Interview mit dem Tagesanzeiger.
Die folgenden Zitate sind aus dem Interview vom Tagesanzeiger mit Jürg Grossen:
«Eine Frühzustellung, bei der ein Töffli am Morgen früh durchs Quartier fährt, ist für mich nicht förderungswürdig.»
«Die zusätzlichen Mittel fliessen zu einem erheblichen Teil nicht dorthin, wo sie die Probleme der Medien ernsthaft lindern könnten.»
«Erstens glaube ich nicht, dass die Printzeitungen bei einem Nein sofort eingehen würden … und zweitens löst das Gesetz die Probleme nicht nachhaltig.»
«Aber sollen wir wirklich mit Millionen eine Technologie fördern, mit der viele junge Menschen nichts mehr anfangen können?»















