Profiteure der Mediensubventionen

Profiteure der Mediensubventionen
Journalist Hansi Voigt («Bajour») beschimpft die Gegner von noch mehr staatlichen Mediensubventionen als «Freund*innen des Faschismus». Mit ihm im Boot sitzen die Nationalrätinnen Min Li Marti und Aline Trede. Offenbar verlieren die Subventionsjäger bereits vor der Eröffnung des Abstimmungskampfs um das Mediensubventions-Gesetz die Nerven.
Von Dr. Philipp Gut aus der Schweizerzeit vom 22. Oktober 2021
Die Gruppe nennt sich «Verein für Demokratie und Medienvielfalt». Ihr Ziel: Mit allen Mitteln die Subventionen krallen, die sie sich nach der Verabschiedung des sogenannten Massnahmenpakets zugunsten der Medien erhofft haben. Doch ihr Griff ins Portemonnaie der Steuerzahler könnte nun verhindert werden. Am Mittwoch, 6. Oktober, hat das Referendumskomitee «Staatsmedien NEIN» in Bern über 110’000 Unterschriften eingereicht. Ein Grosserfolg für das parteiunabhängige kleine Komitee aus Verlegern, Journalisten und Unternehmern. Damit kommt es voraussichtlich am 13. Februar 2022 zur Volksabstimmung über das Medien-Subventionsgesetz.
Keine Argumente, erbärmliches Niveau
Die Tatsache, dass sie jetzt dem Volk erklären müssen, warum sie sich ungeniert am Steuergeld bedienen wollen, bringt die Mitglieder des Vereins für Demokratie und Medienvielfalt nun derart in Argumentationsnotstand, dass sie sich nur noch mit wüsten Beschimpfungen zu helfen wissen. Auf ihrer Website schreiben sie: «Libertäre Multimillionär*innen und ihre ganz rechten Helfershelfer*innen wollen verhindern, dass Schweizer Medien transparente Förderung erhalten. Diese Kräfte wollen, dass Unabhängigkeit und Transparenz durch undurchsichtiges Mäzenatentum ersetzt wird und haben deshalb ein Referendum gegen das Medienpaket lanciert. Die Gegner*innen des Gesetzes kommen aus der gleichen diffusen Ecke wie Coronaleugnern*innen und andere geistige Brandstifter*innen, welche die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben.»
Treibende Kraft hinter dem Verein für Demokratie und Medienvielfalt ist der Journalist Hansi Voigt. Auf Twitter legte Voigt sogar noch einen drauf: Er diffamierte die Gegner des Mediensubventions-Gesetzes als «Freund*innen des Faschismus». Voigt weiss natürlich, dass diese Gegner sehr breit aufgestellt sind. Einem Nein-Parlamentarierkomitee gehören bereits 72 National- und Ständeräte verschiedenster Parteien an. Laut Voigt: alles Faschisten.
Verlegerverband will sich nicht distanzieren
Nun könnte man das als Irrsinn eines niveaulosen und frustrierten Schreiberlings abtun. Doch das wäre zu einfach. Mit Voigt im Boot sitzen auch die SP-Nationalrätin Min Li Marti und ihr grüne Ratskollegin Aline Trede. Beide sind zugleich im offiziellen Komitee des Verbands Schweizer Medien (VSM), der die Subventionsjagd von ganz oben orchestriert.
Wir haben deshalb dem VSM die Frage gestellt, wie er sich zu diesen Aussagen stelle und ob er auch der Auffassung sei, dass die Gegner einer Erhöhung der Staatssubventionen an die privaten Medien «Freund*innen des Faschismus» und «ganz rechte Helfershelferinnen» seien?
VSM-Geschäftsführer Stefan Wabel will sich in seiner Antwort nicht von diesen Aussagen distanzieren. Er sagt lediglich: «Wir erwarten von beiden Seiten einen harten, aber fairen und sachlichen Abstimmungskampf.» Fair und sachlich? Klingt anders.
Über 110’000 Bürgerinnen und Bürger beschimpft
Min Li Marti, Mitglied des Vereins Demokratie und Medienvielfalt sowie auch des dahinterstehenden Verbands Medien mit Zukunft, windet sich ebenfalls: «Ich habe den Tweet von Hansi Voigt erst durch Ihr Mail überhaupt gesehen und fühle mich nicht für seine Tweets verantwortlich. Daher fragen Sie doch besser bei ihm nach, wie er es gemeint hat.» Wie er es gemeint hat? Falsche Frage. Tatsache ist, dass die beiden Nationalrätinnen Min Li Marti und Aline Trede auf der Website des Vereins Demokratie und Medienvielfalt mit ihrem Namen zeichnen und damit mitverantwortlich sind, wenn dort von «ganz rechten Helfershelfer*innen» sowie von «Coronaleugnern*innen und anderen geistigen Brandstifter*innen» gefaselt wird.
Es muss ihnen daher bewusst sein, dass sie die über 110’000 Bürgerinnen und Bürger beschimpfen, die der Auffassung sind, dass private Medien nicht von der Politik abhängig sein sollten, damit sie nicht ihre Unab- hängigkeit und Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen.
Geschäftsmodell: Mäzene und Steuerzahler anbetteln
Ein krachendes Eigentor ist sodann die Breitseite gegen das «Mäzenatentum». Denn Hansi Voigt & Co. bauen ihr Geschäftsmodell konsequent nur auf Mäzenatentum und Subventionen auf. In Voigts aktuelles Projekt «Bajour» steckt Oeris Stiftung jedes Jahr eine Million Franken. Die bz schrieb dazu: «‹Bajour› erhält für drei Jahre zunächst je eine Million Franken von der Basler Stiftung Medienvielfalt. Diese hat die Millionen wiederum von der Basler Stiftung Levedo, die schliesslich von der ‹Tageswoche›-Mäzenin Beatrice Oeri alimentiert wurde.» In der «Tageswoche» verlochte Mäzenin Oeri Millionen. Offensichtlich ist das Voigt noch immer nicht genug: Jetzt lechzt er auch noch nach Steuergeld.
Wie wär’s, wenn Voigt und seine Mitläuferinnen zur Abwechslung mal ein Medienprodukt machten, das gut genug ist, damit es ohne Mäzene und Steuergeschenke durchkommt? Statt die Kollegen zu beschimpfen, die innovativ sind und am Markt erfolgreich bestehen.
Schnapsidee Medienförderung

Schnapsidee Medienförderung
Jede Branche hat ihre Problemzonen und muss ohne staatliche Hilfsgelder Qualität abliefern.
Gastbeitrag von Tamara Wernli
Mit der geplanten Förderung der Schweizer Medien sollen Verlagsunternehmen mit bis zu 150 Millionen Franken pro Jahr mehr ausgestattet und neu auch Online-Medien gefördert werden. Die Fragen seien deshalb erlaubt: Womit demonstrieren Verlage heute eigentlich ihre Unentbehrlichkeit? Wann haben sie die Öffentlichkeit das letzte Mal durch bedeutende Enthüllungsgeschichten verblüfft?
Während der Corona-Krise, als sich die meisten Medien hingebungsvoll als unkritisches Regierungssprachrohr präsentierten, kann es nicht gewesen sein. Auch sonst sind Nachrichten häufig einfach Agenturmeldungen, die von den Journalisten übernommen und lesertauglich aufbereitet werden. Der Rest präsentiert sich als grosses Bouquet von Meinungen mit breitem Farbspektrum von Rot bis Grün; die Journalisten, ausser ein paar wenigen Querulanten, sind sich meist einig. Das Resultat auf Kultur- und Gesellschaftsseiten, salopp gesagt: 300 Artikel, warum Gendern wichtig ist, 500 Artikel über männliche Dominanz, tausend Artikel, warum Frauen gefördert werden müssen.
Die Schweizer Grossverleger, die laut Branchenkennern am meisten von der Staatshilfe profitieren würden, frohlocken natürlich. Vielleicht sollte man bedenken, warum sie sich überhaupt vor dem Subventionenbuffet drängen. In den goldenen Zeiten des Inserategeschäfts haben vor allem die grossen Medienhäuser nicht mehr gewusst, wohin mit dem Geld. Sie haben sich Paläste geleistet an bester Lage, gigantische Redaktionsbüros, hohe Löhne. In anderen Branchen hat man sich die Augen gerieben. Nun ist ihr altes Print-Geschäftsmodell passé, und die digitalen Angebote sind finanziell (noch) nicht einträglich.
Ein Problem, das zu lösen die Verleger dazu motivieren könnte, besseren oder mehr eigenen Journalismus zu betreiben (anstatt im Ausland Beiträge einzukaufen). Oder den Betrieb zu reorganisieren: Löhne wie früher und die teils immer noch hohe Anzahl Mitarbeiter sind möglicherweise nicht mehr realistisch. Statt mit zeitgemässen Veränderungen zukunftsfit und autonom zu bleiben, hängt die Überzeugung in den Chefbüros wie abgestandener Rauch: Wir verdienen nicht mehr so viel wie früher, jemand soll das bitte kompensieren.
Absurd scheint die staatliche Medienförderung auch, wenn man etwa bedenkt, wie viele Personen sich in einem Grossverlag um die Veröffentlichung eines Artikels bemühen: Der Journalist schreibt den Text, der Lektor korrigiert, was er schreibt, der Produzent kontrolliert, was er schreibt, der Fotograf schiesst das Bild, der Bildredaktor sucht es aus, der Layouter setzt es um, der Web-Administrator pflegt den Artikel in die Website ein, der Mitarbeiter «Social» postet das Werk in den sozialen Medien. Hinzu kommt noch der Ressortleiter, der seine Bedenken hat, Nachrichtenchef und Tagesleiter geben ihren Senf dazu, der Blattmacher furcht die Stirn, der Chefredaktorstellvertreter winkt alles durch. Das ist etwa so, als würde ein Maurer sagen: Ich brauche jemanden, der mir die Kelle hält, jemanden, der den Zement mischt, einen, der mir den Schweiss vom Gesicht wischt, und ich überlege dann, wo ich den Stein setze.
Ich arbeite seit über 22 Jahren als Selbständige im Mediengeschäft und weiss, man muss sich ständig neu erfinden, riskieren, sich der Zeit angepasste Konzepte ausdenken und dazulernen. Meine Youtube-Videos scripte, filme und cutte ich selbst, ebenso die Parodien, ich kreiere auch die Thumbnails. Damit will ich nicht angeben, viele Youtuber arbeiten so. Was ich sagen will: Die Behäbigkeit der Grossverlage ist unter anderem ein Grund für das rasche Wachstum der alternativen Medienplattformen. Und da regelt der Markt knallhart: Wer beim Zuschauer gut ankommt, wird mit Abonnenten, Werbedeals und Beiträgen privater Gönner belohnt. Für die anderen ist es halt finanziell nicht einträglich.
Nun kann man in Zeiten von Fake News auf den Qualitätsjournalismus verweisen. Ja, er ist für eine Demokratie extrem wichtig. Nur ist es nicht so, als würde er stets funktionieren; Artikel in Qualitätszeitungen sind teils voller Fehler, Journalisten geben Texte ab, die grammatikalisch von Erstklässlern stammen könnten und bei denen man sich angesichts ihrer Berufswahl mehr als wundert – wobei, gut, Grammatik seit dem Gendern ja keine grosse Rolle mehr spielt –, und auch die grösste Dokumentations- und Rechercheabteilung der Welt hatte die erfundenen Inhalte von Claas Relotius nicht bemerkt.
Viele Menschen besitzen ein Zeitungsabo, bezahlen also dreifach: das Abo ihrer Wahl, die SRF-Gebühren und die indirekte Medienförderung, die es schon lange gibt. Die Zuschüsse weiter auszubauen, ist darum wirklich ein schlechter Witz.
Aus liberaler Sicht ist es einfach: Unabhängige Medien lassen sich nicht vom Staat subventionieren. Mehr Staatshilfe gewährleistet keine Qualität, aber sie verringert die Glaubwürdigkeit. Wer Lust hat, seinen Lieblingsgrossverleger zu unterstützen, aus Angst, sonst seine Zeitung zu verlieren, kann ihn ja aus eigener Tasche sponsern oder ein Abo abschliessen. Den Rest von uns möge man bitte mit solchen Flausen verschonen
Tamara Wernli ist eine Schweizer Moderatorin, Kolumnistin, Autorin und Webvideoproduzentin
René Zeyer: Müssen Reiche Verlegerclans belohnt werden?

René Zeyer: Müssen Reiche Verlegerclans belohnt werden?
Das Covid-Referendum hat gute Chancen, angenommen zu werden. Das Referendum gegen die Medienmilliarde auch. Panik macht sich breit.
Artikel von René Zeyer aus dieostschweiz.ch
Direkte Demokratie und Volksbeteiligung und letztes Wort des Stimmbürgers: das sind schöne Floskeln für die Sonntagsrede. Ab Montag und im Ernst der Realität sieht das ein wenig anders aus.
Bei der Abstimmung über das verschärfte Covid-Gesetz am 28. November bricht bei den Gegnern des Referendums langsam Panik aus. Das merkt man daran, dass sie inzwischen bei Phase drei angelangt sind.
Phase eins: Referendum? Lachhaft, wird nie zustande kommen.
Phase zwei: Schweigen wir doch einfach tot, dass das Referendum zustande gekommen ist, hat sowieso keine Chance bei der Abstimmung.
Phase drei: Verflixt, alles Gehampel und Getobe in den Mainstream-Medien bewirkt nicht, dass die Befürworter des Referendums als ein Haufen von Verwirrten, Verpeilten, Verschwörungstheoretikern und nicht mehrheitsfähigen Irren abgestempelt werden können.
Seitdem immer mehr linke Exponenten sich daran erinnern, dass sie auch mal gegen einen Überwachungsstaat und zusätzliche Kontrollmechanismen waren, bricht nun leise, manchmal laute Panik aus.
Wer im Panikmodus ist, macht einen Fehler nach dem anderen. Der jüngste: grosse Massendemonstrationen der Gegner des Covid-Gesetzes kleinschreiben. Für irgend einen neuen Gender-Furz ist immer Platz für Berichterstattung, die wohl grösste Demonstration der letzten Jahre in Bern fand zunächst nur als klitzekleine Meldung über ein paar «tausend» Teilnehmer Aufnahme in den grossen Medien.
An dieser Miniaturisierung wurde krampfhaft festgehalten, als würde jemanden ein Zacken aus Krone brechen, wenn wenigstens realistisch und objektiv über mindestens 30’000 Manifestanten, nach Angaben der Veranstalter sogar über 50’000 die Rede wäre.
Aber damit ruinieren die Medien zusätzlich ihr Image, treiben weiter Raubbau an ihrem wichtigsten Gut: Glaubwürdigkeit. Ihre Existenzberechtigung basiert darauf, dass die Konsumenten ihnen Vertrauen entgegenbringen und daher bereit sind, für die Dienstleistung Information, Analyse, Einordung etwas zu bezahlen.
Dieser Missbrauch macht es auch den Befürwortern einer zusätzlichen Steuermilliarde für angeblich notleidende Medienclans immer schwerer. Geradezu eine Mission impossible wurde es, als TX Group, vormals T, vormals Tamedia, vormals Tages-Anzeiger, bekannt gab, dass die eigenen Inserateplattformen mit denen von Ringier zusammengeflanscht werden.
Damit erhöhte sich der Wert der Plattformen und der beteiligten Konzerne gewaltig, im Milliardenbereich. Wieso den Besitzern, die auch in den schlimmsten Corona-Zeiten satte Gewinne einfuhren, aber grossartig im Jammern sind, Steuergelder in der Höhe von einer zusätzlichen Milliarde nachgeschmissen werden sollen, verstehen immer weniger Steuerzahler.
Auch die politischen Parteien, die diesem Geschenk im Parlament noch zur Mehrheit verholfen hatten, rücken inzwischen davon ab. Mit einer Ausnahme. Der SP-Co-Präsident Cédric Wermuth sieht die grossen Medienkonzerne nicht mehr als Bedrohung der Demokratie. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran sieht sie nicht mehr als Schrott an. Und SP-Genosse Matthias Aebischer jammert als Berner Nationalrat nicht mehr über das grässliche Profitdenken, das zur Zusammenlegung von «Bund» und «Berner Zeitung» führte.
Er lässt sich auf CH Media interviewen, und gibt zu Protokoll: «Im Vergleich mit anderen Ländern gibt es in der Schweiz immer noch eine ansprechende Medienvielfalt. Ziel ist es, dass sie nicht weiter abnimmt – oder sogar zunimmt. Das Paket ist eine Voraussetzung dafür.»
Das ist eine interessante Position des ehemaligen langjährigen Mitarbeiters von SRF. Hätte die Milliarde wohl bewirkt, dass Tamedia ihr Versprechen nicht gebrochen hätte, niemals ihre beiden Berner Blätter zu verschmelzen, um Mitarbeiter abzuschmelzen?
Gibt es in der Schweiz wirklich eine ansprechende Medienvielfalt, da doch der Markt der Tageszeitung von den beiden Duopolisten Tamedia und CH Media beherrscht wird, mit Ringiers «Blick» als immer unwichtiger werdendem Boulevard und dem Beiboot NZZ für die etwas Anspruchsvolleren?
Sieht so eine ansprechende Medienvielfalt aus, bei der zwei Zentralredaktionen in Aarau und Zürich von Basel bis Bern, von Aarau bis St. Gallen, von Luzern bis ins Appenzell alle Kopfblätter mit der gleichen Einheitssauce abfüllen?
Müssen reiche Verlegerclans, die die Digitalisierung verschnarcht haben, lieber fette Dividenden kassierten, statt fett in die Zukunftstechnologien der Newsverbreitung zu investieren, müssen die wirklich für ihr Versagen belohnt werden?
Diese Fragen stellen, heisst sie beantworten. In der Corona-Frage hobeln die grossen Medienhäuser kräftig Schicht um Schicht ihrer Glaubwürdigkeit ab. In der Milliardensubventions-Frage tun sie das auch. Tatkräftig unterstützt von SP-Genossen, die plötzlich ihr Herz für sonst von ihnen beschimpfte Medienkolosse entdecken.
All diese Besitzer von Gummi-Meinungen, all diese Akrobaten des «einerseits, andererseits, aber dann doch nicht, das aber mit aller Kraft» werden wohl an der Urne die Quittung erhalten. Denn wenn der Stimmbürger etwas nicht goutiert, dann ist es widersprüchliches Gebrabbel und Geblubber.
Denn bei einer Abstimmung geht es nicht um hirnakrobatische Verrenkungen, sondern um eine binäre Entscheidung. Ja oder nein. Diese Entscheidung fällt in beiden Themenbereichen, mehr Überwachungsmöglichkeiten für den Staat und mehr Steuergelder für Medienclans, zunehmend leicht.
Original: https://www.dieostschweiz.ch/artikel/corona-panik-liegt-in-der-luft-r6MopVL
René Zeyer (1955) ist Publizist, Bestsellerautor («Bank, Banker, Bankrott») und Kommunikationsberater. Er lebt in Zürich und Havanna.
TX Group und Ringier sind die Totengräber – nicht Google und Facebook

TX Group und Ringier sind die Totengräber – nicht Google und Facebook
Am 13. Februar muss das Stimmvolk darüber entscheiden, ob die Schweizer Medien mit Subventionen weiter an den Staat gebunden werden sollen. Als Begründung führen die «Beschenkten» den Kampf gegen Google, Facebook und Co. an, die den Schweizer Medien angeblich die Werbegelder streitig machen.
Beitrag von Peter Weigelt in «die Ostschweiz».
Ende August 2021 haben Ringier und TX Group angekündigt, dass sie ihre bekannten Online-Marktplätze wie Homegate, Ricardo, tutti oder Scout24 in ein neues, gemeinsames Digitalunternehmen einbringen. Der Wert des neuen Unternehmens wird von den involvierten Parteien mit 2.7 Mrd. Franken angegeben. Die Perspektiven für dieses Geschäft sind so gut, dass der Aktienkurs der TX Group nach der Ankündigung innert 10 Tage um über 80% in die Höhe schnellte, obwohl die JobCloud AG der TX Group (Online-Marktplatz für Stelleninserate) darin noch nicht einmal enthalten ist. Mit einem Aktienanteil von 69% profitierte allein die Besitzerfamilie Supino/Coninx mit einen steuerfreien Vermögenszuwachs von über 500 Millionen Franken in 2 Wochen.
Die eigenen Zeitungen gezielt ausbluten
Eigentlich muss man vor diesem Hintergrund nicht von TX Group oder Ringier, sondern von deren Medientiteln wie Tagesanzeiger oder Blick sprechen. Denn über Jahrzehnte waren die Einnahmen aus Stelleninseraten, Kleinanzeigen, Immobilien- und Wohnungsinseraten oder aus dem Automarkt wichtige Ertragsbringer für die Tageszeitungen. Die finanzgetriebenen Zürcher Medienkonzerne lagerten diese Erträge nun aber in eigenständige Firmen aus, die sogenannten Online-Marktplätze. Damit fehlen den gedruckten Zeitungen heute diese Einnahmen auf der Ertragsseite, womit die Zeitungen in die roten Zahlen rutschten. Während mit den Online-Portalen das ganz grosse Geld gemacht wird, klagen deren Besitzer als Verleger nun über nicht mehr rentierende Zeitungen.
Dass sie mit diesem Falschspieler-Trick Bundesrätin Sommaruga und das Parlament über den Tisch ziehen konnten und mit staatlichen Subventionen ihre zuvor ausgebluteten Zeitungen wieder auf Vordermann bringen wollen, ist schlicht unglaublich. Ein Trauerspiel zulasten der Steuerzahler, zum Schaden der regionalen Medien und vor allem unserer Demokratie. Wenn die Schlagzeile „Gewinne privatisieren – Schulden sozialisieren“ einmal ihre Berechtigung hat, dann hier und jetzt.
Die wirklichen Verlierer – die regionalen Medien
Mit den erfolgreichen Online-Marktplätzen der Zürcher Medienkonzerne, deren Wert auf gegen drei Milliarden Franken geschätzt wird, graben TX Group und Ringier den Regionalmedien das Wasser ab. Denn ob Stellen-, Wohnungs-, Auto- oder Kleininserate, all diese Anzeigen sind nicht auf Google oder Facebook abgewandert, sondern in die Online-Marktplätze von TX Group und Ringier. Damit füllen sich die Kassen der Zürcher Medienkonzerne zu Lasten der mittleren und kleinen Verlage in den Regionen. Dass der Besitzer der TX Group und Präsident des Verlegerverbandes Pietro Supino in Interviews gleichzeitig von Solidarität gegenüber den Kleinverlagen spricht, ist unglaublicher Hohn. So sagte Supino in einem Interview im St.Galler Tagblatt vom Oktober 2021: “Wir unterstützen das Medienpaket, weil es ausgewogen ist – und auch aus Solidarität zur Branche und zu den kleineren Verlagen, für die das Gesetz am wichtigsten ist.“
Peinliche und unehrliche Argumentation
Richtig ist vielmehr, dass von den 178 Mio. Franken, die jährlich als Subventionen an die Verlage gehen sollen, über 70% in die Taschen der vier grössten Mitglieder des Verlegerverbandes fliessen, dem immerhin über 100 Unternehmen angehören.
Allein die TX Group kassiert über 20% oder jährlich rund CHF 35 Mio. aus dem neuen Subventionstopf. Wenn vor diesem Hintergrund Pietro Supino, der mit seinen eigenen Online-Plattformen gezielt den regionalen Inseratemarkt aussaugt, von Solidarität mit den Kleinen spricht, dann wird aus Schönfärberei blanker Zynismus. Besonders tragisch ist, dass sich nach Bundesrätin Sommaruga und dem Parlament nun auch die kleinen Verlage vor den Wagen der Zürcher Medienkonzerne spannen lassen und für ein «JA» werben.
Einmal mehr zeigt sich, über welche Macht die grossen Medienkonzerne in unserem Land verfügen und wie verhängnisvoll es ist, wenn diese Macht mit Steuergeldern weiter zementiert und ausgebaut wird.
Original: https://www.dieostschweiz.ch/artikel/tx-group-und-ringier-sind-die-totengraeber-nicht-google-und-facebook-r6MnBzY
Alt Nationalrat Peter Weigelt, St.Gallen, ist Verwaltungsratspräsident der Ostschweizer Medien AG (Herausgeberin von «Die Ostschweiz») und Präsident des Referendumskomitees.
SGV empfiehlt das Medienpaket zur Ablehnung

SGV empfiehlt das Medienpaket zur Ablehnung
Auszug aus der Medienmitteilung vom 27. Oktober 2021:
Wo der Staat direkte Leistungen ausrichtet, steigt der Druck auf eine staatliche Kontrolle, da die Abhängigkeit zunimmt. Mit der Schaffung des neuen Gesetzes zur Förderung von Online-Medien und der zusätzlichen Millionen für die grossen Verlagshäuser ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Begehrlichkeiten wachsen. Die Abhängigkeit vom Staat nimmt zu, was nicht nur dem wettbewerbspolitischen Grundsatz widerspricht, sondern insbesondere auch die Medienfreiheit in Frage stellt. Es widerspricht dem Prinzip der demokratischen Gewaltenteilung, wenn die Behörden zunehmend eine Medienkontrolle ausüben. Das Medienförderungspaket wird deshalb von der Gewerbekammer abgelehnt und ein Nein empfohlen.
Liebesgrüsse von Links

Liebesgrüsse von Links
Kurz W. Zimmermann schreibt in der Weltwoche: Die kapitalistischen Medienkonzerne haben nur noch einen wahren Freund – die Sozialisten der SP.
Nehmen wir SP-Nationalrätin Jacqueline Badran. Sie hat eine klare Meinung zu den Schweizer Zeitungen und Verlagen. Alle sind sie aus ihrer Sicht journalistischer Schrott.
Die NZZ ist für Badran ein «Propagandablatt». Die Titel von CH Media und Ringier sind «rechts». 20 Minuten aus der TX Group ist «Desinformation». Beim Tages-Anzeiger aus demselben Haus gibt es einen «Rechtsruck».
Badrans Folgerung aus dieser Kritik ist einigermassen verblüffend. Der Staat, sagt sie, muss die Herstellung dieses journalistischen Schrotts künftig mit Hunderten von Millionen an Steuergeldern finanzieren.
Sozialistin Badran ist für das neue Mediengesetz, das im Februar zur Abstimmung kommt. Es will über die nächsten sieben Jahre über eine Milliarde Franken an Subventionen über die Medienbranche ausschütten. Die Schrott-Produzenten von NZZ, CH Media, Ringier und TX Group bekämen davon mehr als die Hälfte, nämlich etwa 600 Millionen.
Oder nehmen wir SP-Nationalrat Matthias Aebischer. Als die TX Group ihre zwei Zeitungen Bund und Berner Zeitung zusammenlegte und dann den Westschweizer Le Matin einstellte, geisselte er das als «reines Profitdenken».
Aebischers Folgerung aus dieser Kritik ist einigermassen verblüffend. Der Staat, sagt er, muss den Gewinn von profitorientierten Unternehmen wie der TX Group künftig mit Hunderten von Millionen an Steuergeldern aufbessern. Auch er ist für das Mediengesetz.
Und nehmen wir als Dritten den Co-Präsidenten der SP, Cédric Wermuth. Er hält die grossen Verlage für eine gesellschaftliche Bedrohung. Er fordert darum, dass «die Demokratie vor dem Missbrauch durch die privaten Medienkonzerne geschützt werden muss».
Wermuths Folgerung aus dieser Kritik ist einigermassen verblüffend. Der Staat, sagt er, muss diese missbräuchlichen privaten Medienkonzerne künftig mit Hunderten von Millionen an Steuergeldern finanzieren. Auch er ist für das Mediengesetz.
Wermuth ist der einzige Präsident der vier Bundesratsparteien, der für die staatliche Finanzierung der privaten Medienbranche ist. Seine drei Pendants Thierry Burkart von der FDP, Gerhard Pfister von der Mitte-Partei und Marco Chiesa von der SVP sind dagegen, dass der Steuerzahler die Rendite der dominierenden Medienhäuser massiv aufpoliert.
Die Liaison zwischen der SP und den Grossverlagen ist eine der ulkigeren Allianzen, welche die Schweizer Politik jemals gesehen hat. Die sonst kapitalismuskritischen Sozialdemokraten setzen sich glühend dafür ein, dass die schon heute hochprofitablen Medienkonzerne in Zukunft noch grössere Profite einfahren können.
Selbst im Corona-Jahr 2020 machten die vier führenden Medienunternehmen TX Group, Ringier, CH Media und NZZ-Gruppe zusammen einen operativen Gewinn von 280 Millionen Franken. Im virenfreien Jahr 2019 waren es sogar 370 Millionen an Profit, den sie gemeinsam einfuhren. Doch auch das scheint der SP noch nicht genug.
Im Jahr 2023, falls das Mediengesetz dann in Kraft tritt, werden TX Group, Ringier, CH Media und NZZ dank staatlicher Hilfe erstmals die Grenze von 400 Millionen an gemeinsamem Gewinn überspringen. Ihre Aktionäre werden für ihre Dividende mit Champagner auf die SP anstossen.
Die seltsame Haltung der SP erklärt sich aus einer Fehleinschätzung des Marktes. Die Partei möchte die «kleinen Verlage» unterstützen. Nur, die gibt es gar nicht mehr. In der Deutschschweiz existieren nur noch zwei kleinere Tageszeitungen, die kapitalmässig eigenständig und nicht Teil eines grösseren Verlagsverbunds sind. Das sind die Schaffhauser Nachrichten und Der Rheintaler.
Die grosse Menge der wirklichen Kleinverlage sind die Dutzenden von Lokal- und Bezirksanzeiger, die in der öffentlichen Diskussion in ihrer Region eine wichtige Rolle spielen. Weil sie gratis verteilt werden, sind sie von der staatlichen Medienförderung ausgeschlossen. Auch die SP war gegen die finanzielle Unterstützung der echten Kleinen, weil ein Teil dieser Titel zum Verlag von Christoph Blocher gehört.
Die Unterstützung des Mediengesetzes ist die erste grössere Fehlleistung des SP-Präsidenten Cédric Wermuth. Sie bestätigt damit jene Skeptiker in seiner Partei, die in ihm nur einen wirbligen Aktivisten sehen, dem aber das strategische Talent noch fehlt. Aber der Mann ist ja noch jung.
Propaganda – mit Steuergeldern: «Österreich Affäre» – Weckruf für die Schweiz

Propaganda – mit Steuergeldern: «Österreich Affäre» – Weckruf für die Schweiz
Die landesweit bekannte Grande Dame des Journalismus, Dr. Regula Stämpfli, hat im Medien-Onlineportal Klein Report anlässlich der Vorgänge in Österreich rund um den zurückgetretenen Ex-Kanzler Sebastian Kurz über die Verstrickungen von Medien und Politik einen fundamentalen Kommentar geschrieben. Der «Klein Report» hat die fatale Verfilzung der 4. Macht im Staat mit einem das Problem entlarvenden Bild illustriert. Von Dr. Regula Stämpfli

Nicht nur in Österreich, auch in der Schweiz, Polit- und Medien-Filz halten Hof: In der Bildmitte: Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) am Swiss Media Forum im KKL Luzern am 22. September 2021. Direkt gegenüber, mit dem Rücken zur Kamera: Peter Wanner (CH Media; Schweizer Grossverleger mit über 80 Medienmarken, Nr. 1 im privaten Radio- und TV-Bereich). Rechts neben Peter Wanner, ebenfalls mit dem Rücken zur Kamera: Marco Boselli (Geschäftsleiter Tamedia/Tages-Anzeiger-Gruppe). Im Bild links neben Bundesrätin Sommaruga: Gilles Marchand (Generaldirektor SRG SSR) im Gespräch mit Hanspeter Kellermüller (Generalsekretär und Mitglied Geschäftsleitung NZZ Verlag). Im Bild rechts neben der Bundesrätin: Dr. Felix Graf (CEO NZZ Verlag), rechts von ihm: Michael Wanner (CH Medie; Sohn von Verleger Peter Wanner). Im Hintergrund: Roger de Weck, Ex-Generaldirektor SRG SSR. Bild: Klein Report
Von Dr. Regula Stämpfli:
«In Österreich weiss man rein zahlenmässig gut Bescheid, wie stark die Medien am Staatstropf hängen. In der Schweiz gibt es kaum Zahlen. Der Bund verweigert explizit, Auskunft darüber zu geben, in welcher Höhe die Beträge bei der geplanten Medienförderung für die einzelnen Verlage lägen. Doch dies spielt gar keine Rolle. Denn entscheidend ist, dass sich der schweizerische Staat schon jetzt mit Millionen Zuwendungen an private Medien beteiligt und das in Österreich «subtil gewobene Geflecht der wechselseitigen Begünstigung, ein Sumpf aus systemischer Korruption», wie es in einem «Falter»-Podcast heisst, noch toppt.
Lagerbildung in Medien verhindert Aufklärung
Anders als in Österreich findet dazu hierzulande keine heftige Mediendebatte statt – im Gegenteil. Die Lagerbildung in rechtspopulistische und staatstreue linke Medien und deren Akteure verhindert demokratiekritische Aufklärung diesbezüglich. Deshalb will ich hier nur die offiziellen Zahlen sprechen lassen: Statt jährlich 50 Millionen sollen die Medienunternehmen 178 Millionen Franken bekommen. 120 Millionen Franken zusätzlich gehen an die Frühzustellung durch Zeitungsverträgerinnen, weitere 50 Millionen gehen an die Post und 30 Millionen Franken sollen an Online-Bezahlmedien gehen.
Spätestens ab dem neuen Medienförderungsgesetz ist der Staat nicht mehr Gegenstand von Recherche und Information, sondern deren Grossfinancier. Benedict Neff hält in der NZZ vom 5. Oktober staubtrocken fest: «Die Medien würden stärker an den Staat gebunden.»
DDR: Zensur ohne Zensoren
In der DDR gab es das System der «Zensur ohne Zensoren». Dies bestand darin, dass alle Medien vom Staat finanziert wurden. Gleichzeitig wurden die Auslese und die Ausbildung der Journalistinnen und Journalisten vom Staat finanziert.
Die indirekten und direkten Zuwendungen des Schweizer Staates an ausgewählte Medien sind auch ohne Medienfördergesetz beträchtlich. So wird Keystone-SDA mit vier Millionen unterstützt: Im Bericht des Bundesrates heisst es dazu, «gravierende Marktentwicklungen» hätten dazu geführt. «Gravierende Marktentwicklungen» in einem marktwirtschaftlichen System klingen wie damals der Artikel §249 des StGB der DDR. Dort wurde mittels des Paragraphen der «Gefährdung der öffentlichen Ordnung» – eine öffentliche Ordnung, die theoretisch im Sozialismus immer durch Kritik neu etabliert werden sollte – jede Öffentlichkeit abgeschafft.
Mediengesetz gefährdet «innere Pressefreiheit»
«Marktentwicklungen» gehören zum Markt wie die Maus zu meiner Katze – erstaunlich, dass hier kein Staatsrechtler intervenierte. Es gibt aber nicht nur Keystone-SDA, sondern zusätzlich Swissinfo, dies noch neben Onlinedienst srf.ch. Swissinfo ist der internationale Dienst der SRG SSR, der «unabhängige Berichterstattung über die Schweiz» in zehn Sprachen weltweit verteilt und nach eigenen Angaben direkt in einer Leistungsvereinbarung mit dem Bundesrat organisiert ist und zu 50 Prozent aus den Gebührengeldern der SRG und zu 50 Prozent aus Bundesgeldern finanziert wird. Gäbe es eine saubere Medienkritik in der Schweiz, die unabhängig, wissenschaftlich und neutral operierte und nicht ständig in die politische Lagerbildung eingebunden wäre, tauchten sicherlich noch weitere, indirekte und direkte Beiträge von Steuergeldern an private Medien auf.
Sollte das Medienfördergesetz im Februar 2022 angenommen werden, stünde es zusätzlich um die schon jetzt gefährdete «innere Pressefreiheit» schlecht. Eine innere Pressefreiheit, die nun nicht nur durch den eigenen Verlag, sondern zusätzlich durch dessen Staatsfinanzierung bedrängt wird.
Filz, Umfragen-Sumpf, Medienlobbyisten, Beamte und Politik
Deshalb ist die Österreich-Affäre ein grosser Warn- und Weckruf gerade in die Schweiz. Es geht nicht lediglich um die «Korruptionsgewohnheiten» des kleinen nachbarlichen EU-Alpenlandes, sondern es geht um ein Mediensystem, das sich seit Jahren auch in der Schweiz durch Filz, Umfragen-Sumpf, die Nähe von altbekannten Medienlobbyisten, Staatsbeamten und Politikerinnen so entwickelt hat, dass nicht Information, Ermächtigung zur Partizipation, Wahrheits- und Wirklichkeitsverpflichtung der Medien im Vordergrund stehen, sondern hochvernetzte staatliche, werbeträchtige und journalistische Akteure untereinander Geld und Informationen austauschen.
Medienministerin erreichtet Medien-Subventionssystem
Einer unabhängigen Beobachterin stellen sich deshalb folgende Fragen: Wie kann es sein, dass eine demokratisch gewählte Medienministerin stillschweigend das gesamte freie, demokratische und liberale Mediensystem der Schweiz auf den Kopf stellen kann? Wie kann es sein, dass anstatt Facebook et al. mittels «Medienfördergesetz» in die demokratischen Verfassungen einzubinden ein Medien-Subventionssystem in der Schweiz errichtet werden soll, das nichts weiter bringt als die Aufrechterhaltung eines analogen Verlags-Ständesystems? Wie kann es sein, dass ausgerechnet darüber nicht diskutiert, sondern allein die politische Lagerbildung in «FOX-News» rechts und «Staats-News» links beschworen wird?»
Medienpaket: Der Weg zur Zensur ist mit guten Vorsätzen gepflastert

Medienpaket: Der Weg zur Zensur ist mit guten Vorsätzen gepflastert
Das Medienförderungsgesetz enthält eine ganze Liste von Voraussetzungen für Subventionen. Sie verzerren den Markt und eröffnen Zugriffe auf die redaktionelle Unabhängigkeit durch die Hintertür. Von Martin Breitensteinam, Nebelspalter
Von Dr. Regula Stämpfli:
«In Österreich weiss man rein zahlenmässig gut Bescheid, wie stark die Medien am Staatstropf hängen. In der Schweiz gibt es kaum Zahlen. Der Bund verweigert explizit, Auskunft darüber zu geben, in welcher Höhe die Beträge bei der geplanten Medienförderung für die einzelnen Verlage lägen. Doch dies spielt gar keine Rolle. Denn entscheidend ist, dass sich der schweizerische Staat schon jetzt mit Millionen Zuwendungen an private Medien beteiligt und das in Österreich «subtil gewobene Geflecht der wechselseitigen Begünstigung, ein Sumpf aus systemischer Korruption», wie es in einem «Falter»-Podcast heisst, noch toppt.
Lagerbildung in Medien verhindert Aufklärung
Anders als in Österreich findet dazu hierzulande keine heftige Mediendebatte statt – im Gegenteil. Die Lagerbildung in rechtspopulistische und staatstreue linke Medien und deren Akteure verhindert demokratiekritische Aufklärung diesbezüglich. Deshalb will ich hier nur die offiziellen Zahlen sprechen lassen: Statt jährlich 50 Millionen sollen die Medienunternehmen 178 Millionen Franken bekommen. 120 Millionen Franken zusätzlich gehen an die Frühzustellung durch Zeitungsverträgerinnen, weitere 50 Millionen gehen an die Post und 30 Millionen Franken sollen an Online-Bezahlmedien gehen.
Spätestens ab dem neuen Medienförderungsgesetz ist der Staat nicht mehr Gegenstand von Recherche und Information, sondern deren Grossfinancier. Benedict Neff hält in der NZZ vom 5. Oktober staubtrocken fest: «Die Medien würden stärker an den Staat gebunden.»
DDR: Zensur ohne Zensoren
In der DDR gab es das System der «Zensur ohne Zensoren». Dies bestand darin, dass alle Medien vom Staat finanziert wurden. Gleichzeitig wurden die Auslese und die Ausbildung der Journalistinnen und Journalisten vom Staat finanziert.
Die indirekten und direkten Zuwendungen des Schweizer Staates an ausgewählte Medien sind auch ohne Medienfördergesetz beträchtlich. So wird Keystone-SDA mit vier Millionen unterstützt: Im Bericht des Bundesrates heisst es dazu, «gravierende Marktentwicklungen» hätten dazu geführt. «Gravierende Marktentwicklungen» in einem marktwirtschaftlichen System klingen wie damals der Artikel §249 des StGB der DDR. Dort wurde mittels des Paragraphen der «Gefährdung der öffentlichen Ordnung» – eine öffentliche Ordnung, die theoretisch im Sozialismus immer durch Kritik neu etabliert werden sollte – jede Öffentlichkeit abgeschafft.
Mediengesetz gefährdet «innere Pressefreiheit»
«Marktentwicklungen» gehören zum Markt wie die Maus zu meiner Katze – erstaunlich, dass hier kein Staatsrechtler intervenierte. Es gibt aber nicht nur Keystone-SDA, sondern zusätzlich Swissinfo, dies noch neben Onlinedienst srf.ch. Swissinfo ist der internationale Dienst der SRG SSR, der «unabhängige Berichterstattung über die Schweiz» in zehn Sprachen weltweit verteilt und nach eigenen Angaben direkt in einer Leistungsvereinbarung mit dem Bundesrat organisiert ist und zu 50 Prozent aus den Gebührengeldern der SRG und zu 50 Prozent aus Bundesgeldern finanziert wird. Gäbe es eine saubere Medienkritik in der Schweiz, die unabhängig, wissenschaftlich und neutral operierte und nicht ständig in die politische Lagerbildung eingebunden wäre, tauchten sicherlich noch weitere, indirekte und direkte Beiträge von Steuergeldern an private Medien auf.
Sollte das Medienfördergesetz im Februar 2022 angenommen werden, stünde es zusätzlich um die schon jetzt gefährdete «innere Pressefreiheit» schlecht. Eine innere Pressefreiheit, die nun nicht nur durch den eigenen Verlag, sondern zusätzlich durch dessen Staatsfinanzierung bedrängt wird.
Filz, Umfragen-Sumpf, Medienlobbyisten, Beamte und Politik
Deshalb ist die Österreich-Affäre ein grosser Warn- und Weckruf gerade in die Schweiz. Es geht nicht lediglich um die «Korruptionsgewohnheiten» des kleinen nachbarlichen EU-Alpenlandes, sondern es geht um ein Mediensystem, das sich seit Jahren auch in der Schweiz durch Filz, Umfragen-Sumpf, die Nähe von altbekannten Medienlobbyisten, Staatsbeamten und Politikerinnen so entwickelt hat, dass nicht Information, Ermächtigung zur Partizipation, Wahrheits- und Wirklichkeitsverpflichtung der Medien im Vordergrund stehen, sondern hochvernetzte staatliche, werbeträchtige und journalistische Akteure untereinander Geld und Informationen austauschen.
Medienministerin erreichtet Medien-Subventionssystem
Einer unabhängigen Beobachterin stellen sich deshalb folgende Fragen: Wie kann es sein, dass eine demokratisch gewählte Medienministerin stillschweigend das gesamte freie, demokratische und liberale Mediensystem der Schweiz auf den Kopf stellen kann? Wie kann es sein, dass anstatt Facebook et al. mittels «Medienfördergesetz» in die demokratischen Verfassungen einzubinden ein Medien-Subventionssystem in der Schweiz errichtet werden soll, das nichts weiter bringt als die Aufrechterhaltung eines analogen Verlags-Ständesystems? Wie kann es sein, dass ausgerechnet darüber nicht diskutiert, sondern allein die politische Lagerbildung in «FOX-News» rechts und «Staats-News» links beschworen wird?»
«MEDIENFÖRDERUNG» korrumpiert die Medien

«MEDIENFÖRDERUNG» korrumpiert die Medien
Wer als Verleger vom Staat Geld will, wird ihn weder kontrollieren noch kritisieren. Das Medienförderungsgesetz würde die unabhängige, kritische Wächterrolle der Presse beschädigen.
Von Roger Köppel, erschienen in „Der Zürcher Bote“
Ein neues Mediengesetz soll gegen 130 Millionen Franken an zusätzlichen Subventionen über unsere Branche ausschütten. Etwas ist faul in einem Staatswesen, das mit Subventionen in die Pressefreiheit eingreift. Zum Glück haben bürgerliche Kreise dieses Gesetz bekämpft und bringen es jetzt dank ihrem erfolgreichen Referendum an die Urne. Mindestens die Hälfte der Subventionen sollen an die Verlagshäuser TX Group, CH Media, Ringier und NZZ-Gruppe fliessen. Dabei haben diese vier Grossen selbst in Covid-Zeiten Hunderte von Millionen an operativem Jahresgewinn eingefahren. Die Vertreter der Medien verkünden unentwegt, sie seien staatstragend und unentbehrlich. Das ist natürlich Unsinn. Jedes Medium ist eigentlich überflüssig. Ich sage das sogar als Verleger und Chefredaktor einer Wochenzeitung. Eine Zeitung, ein privates Radio oder Fernsehen lebt ausschliesslich von Kreativität, Inspiration und vom Ideenreichtum der Medienschaffenden, die sich tagtäglich über die eigene Überflüssigkeit hinwegschreiben müssen. Sie sind dazu verdammt, etwas zu veröffentlichen, das bei den Konsumenten ankommt. Ein guter Journalist muss sich jederzeit fragen: Wie überwinde ich meine eigene Überflüssigkeit?
Gutmenschen und Einpeitscher
Wenn eine Zeitung, ein Online-Medium oder ein Sender kein Publikum findet, braucht es ihn nicht. Schon gar nicht dann, wenn die Medien mutlos, humorlos, berechenbar und verklemmt daherkommen. Und auch dann nicht, wenn sie gedankenlos dem Zeitgeist, dem Bundesrat oder ihren Journalistenkollegen hinterherrennen. Schon gar nicht, wenn sie ihr Wächteramt über allfällige Missstände im Staat und bei dessen Personal verschweigen oder wortreich zudecken. Ich meine: Die Medien sollen Unerfreuliches aufdecken, aber dennoch Zuversicht vermitteln. Verbissene Politik, verbohrte Ideologie wird dem Publikum auf die Dauer nicht gefallen. Die Dauerkatastrophe von Klima, Covid und Weltkrieg findet nicht statt. Unsere Welt ist nicht verdammt. Nichts ist faszinierender und tröstlicher als die Wirklichkeit!
Heute sind die Zeitungsspalten und Sendegefässe verpolitisiert und vermoralisiert. Sie wurden gekapert von Gutmenschen und Einpeitschern der Intoleranz, welche die Menschen permanent zum angeblich richtigen Denken erziehen wollen. Dabei gibt es immer eine andere Sicht. Erfolgreiche Medien sollten weder belehren noch erziehen, sondern den Lesern, Hörern und Zuschauern spannende Erlebnisse bieten, sie unterhalten und zum Denken anregen. Am Ende entscheiden die Konsumenten über die Notwendigkeit des Medienangebots. Das gehört zur Marktwirtschaft.
Jeder Unternehmer, jeder Gewerbetreibende steht im gnadenlosen Wettbewerb. Und das ist gut so, denn sonst werden die Verleger und ihre Medienschaffenden satt, träge und faul.
Wider die staatliche Stallfütterung
Die Journalisten sollten ihren Auftrag ernst nehmen, nicht sich selber. Politische Medien müssen Korruption, Lügen und Machtmissbrauch aufdecken und benennen. Seit sie an die Futterkrippen des Staates drängen, haben sie viel mehr Beisshemmungen. Ich wünsche mir Medien, die sich für die Freiheit der Bürger einsetzen, den Unternehmen helfen und darauf achten, dass die Wirtschaft nicht durch die Politik zermalmt wird. Genau das tun sie aber nicht, wenn sie nach der staatlichen Stallfütterung streben. Das wichtigste Kritikobjekt des Polit-Journalismus müsste der Staat sein, weil der Staat als Macht- und Gewaltmonopol ein zwar notwendiges, aber gleichzeitig problematisches Gebilde darstellt, das ständiger Kritik bedarf.
Doch immer mehr Journalisten glauben in fast schon religiöser Hingabe an den Staat. Dieser forcierte Etatismus, diese Bereitschaft, sich vor den mächtigen Politikern und den staatlichen Institutionen in den Staub zu werfen, schadet genau diesem Staat, diesen Politikern und diesen Institutionen. Die Journalisten waren in den siebziger und achtziger Jahren viel staatskritischer und oppositioneller. Das Problem liegt aber auch darin, dass die Verlagsbesitzer ihren Journalisten diese Opposition ausgetrieben haben und sie zurückpfeifen. Weil genau diese Verleger beim Staat um immer mehr Geld betteln. Die Covid-Pandemie hat diese Verfilzung noch zusätzlich vorangetrieben und den Journalismus noch mehr korrumpiert. Gerade wegen dem bevorstehenden Medienförderungsgesetz sind die meisten Mainstream-Medien heute leider nicht mehr die Wachhunde der Freiheit und der Bürger, sondern die Schosshunde der Macht, die Bodyguards der Obrigkeit
Roger Jürg Köppel ist ist ein Schweizer Journalist, Publizist und Politiker (SVP). Seit 2001 ist er Chefredaktor und Verleger des Wochenmagazins Die Weltwoche. Original Artikel: https://www.rogerköppel.ch/blog/der-zuercher-bote-3/
Die verlorene Glaubwürdigkeit der Schweizer Grossverleger

Die verlorene Glaubwürdigkeit der Schweizer Grossverleger
Die geplante Förderung der Schweizer Medien droht an der Urne zu scheitern. Und dies zu Recht. Aus liberaler Sicht sind die Subventionen abzulehnen. Aber auch Linke dürfen sich fragen: Brauchen schwerreiche Unternehmer wirklich Staatshilfe? Ein Kommentar von Benedict Neff aus der NZZ vom 05. Oktober 2021
Sonntagsreden haben bei Verlegern eine gewisse Tradition. Immerhin ist man vierte Gewalt im Staat. Man verkauft nicht Süssgetränke oder Socken, sondern Zeitungen, die die Bürger informieren und Grundlage für deren Meinungsbildung sind. Freie und unabhängige Medien seien für die Demokratie unerlässlich, schrieb der Schweizer Verlegerpräsident Pietro Supino kürzlich in den Tamedia-Zeitungen. Glaubwürdigkeit sei das grösste Kapital der Medien. All dem kann man nur beipflichten. Umso mehr wundert man sich, dass der Verlegerpräsident und seine Verbandskollegen so fahrlässig mit der Glaubwürdigkeit des Journalismus umgehen.
Der Schweizer Bundesrat und das Parlament wollen den Verlegern mit weiteren Subventionen helfen. Und diese greifen gerne zu. Vom Stress der Digitalisierung – die sie mittlerweile auch ein wenig als «Chance» sehen – kaum erholt, hat den Verlegern nun auch noch die Corona-Krise zugesetzt. Werbegelder erodieren, Print-Abonnenten sterben. Da scheint die Staatshilfe mehr als gerecht.
Bund finanziert journalistische Inhalte
Statt jährlich 50 Millionen Franken sollen die Medienunternehmen künftig 178 Millionen Franken bekommen. Während sieben Jahren sollen so weitere 50 Millionen Franken an die Post gehen, und mit 40 Millionen Franken soll die Frühzustellung durch Zeitungsboten subventioniert werden. Stehen diese staatlichen Zuwendungen im Rahmen einer indirekten Medienförderung, so sollen weitere 30 Millionen Franken direkt an Online-Bezahlmedien ausgeschüttet werden. Damit würde der Bund nicht mehr nur die Distribution von Nachrichten unterstützen, er würde selbst journalistische Inhalte finanzieren.
Der Widerstand liess nicht lange auf sich warten. Das Komitee «Staatsmedien Nein» hat laut eigenen Angaben bis Ende September schon über 100 000 Unterschriften gesammelt. Bereits Anfang des nächsten Jahres dürfte die Sache vors Volk kommen. Die Chancen stehen gut, dass die Verleger krachend scheitern. Und als Nebeneffekt mit einem ramponierten Image aus der politischen Auseinandersetzung gehen.
Reiche bis schwerreiche Familien
Zu den Auffälligkeiten der geplanten Medienförderung gehört, dass der Bund nicht sagen kann oder will, welcher Verlag wie viel Geld bekommen würde. Dies scheint gute Gründe zu haben, denn die Förderung würde vor allem die grossen und auflagenstarken Medienhäuser begünstigen – TX Group, Ringier, CH-Media, Somedia und auch die NZZ. Dies wiederum hat dazu geführt, dass sich die Gegner der Medienförderung zu Recht etwas eingehender mit den Eigentümern dieser Verlage beschäftigen.
Bei den Familien Coninx (TX Group), Ringier (Blick) und Wanner (CH-Media) handelt es sich um reiche bis schwerreiche Familien, die über Jahrzehnte vorzüglich am Mediengeschäft verdient haben und immer noch gut verdienen. So machte die TX Group unter dem Verwaltungsratspräsidenten Pietro Supino 2020 zwar Verluste, verbuchte aber immer noch einen operativen Gewinn vor Abschreibungen von 130 Millionen Franken. Vor kurzem gaben die TX Group und Ringier bekannt, dass sie ihre nach wie vor einträglichen Online-Marktplätze (vor allem Job- und Immobilienportale) zusammenlegen. Der Börsenkurs der TX Group schnellte nach oben.
«Primitiver Populismus», «pure Polemik»
«Keine Steuermillionen für Verlegermilliardäre» schreiben die Initianten zum Referendum auf ihrer Website. Diese Personalisierung gefällt den Grossverlegern gar nicht, legen sie doch Wert darauf, dass es bei der Medienförderung nicht um sie, sondern um Demokratie, Solidarität und das Überleben der kleinen Verlage gehe. Der Ringier-Chef Marc Walder spricht von «primitivem Populismus». Pietro Supino pflichtet Kollege Walder in einem Interview von CH-Media (Familie Wanner) bei: «Das ist pure Polemik – und sachlich falsch.»
Mit Stilkritik reagiert oft, wer nicht in der Lage ist, die Argumente des Gegners auseinanderzunehmen. Wo Supino recht hat: Indirekte Medienförderung gibt es in der Schweiz schon lange, rund 170 Jahre. Trotzdem würde nur eine Minderheit im Land behaupten, die Schweizer Medien seien kollektiv in einer sklavischen Abhängigkeit vom Staat. Gewichte können sich über die Zeit allerdings verschieben. Wenn sich Verlage nicht mehr auf ihre eigenen Einkünfte, sondern zunehmend auf das Geld der Steuerzahler verlassen, verändert sich auch ihr Verhältnis zum Staat.
Der Verlegerpräsident weicht aus
Den kritischen Einwand, dass die grossen Verlage von der Medienförderung am meisten profitieren würden, kann Supino nicht entkräften. Zwar bekämen die kleinen Verlage proportional mehr Geld. Dies könne aber auch nicht verhindern, dass der Wettbewerb durch die Medienförderung weiter verzerrt würde. Bei der Frage, ob die direkte Medienförderung aus liberaler Sicht vertretbar sei, weicht Supino aus: «Das ist der kleinere Teil des Medienpakets.»
Hier geht es aber nicht einfach um die Höhe von Frankenbeträgen. Es geht ums Prinzip. Aus liberaler Sicht ist die Sache eindeutig: Eine solche Medienförderung ist abzulehnen. Für die Glaubwürdigkeit privater Medienunternehmen ist die grösstmögliche Unabhängigkeit von zentraler Bedeutung. Nur so ist eine kritische Berichterstattung möglich. Journalisten müssen Bedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben, sich mit den Mächtigen anzulegen. Journalisten müssen nahe an der Politik sein und gleichzeitig so staatsfern wie nur möglich. Voraussetzung für diese Unabhängigkeit ist ein privates Finanzierungsmodell. Schaffen es die Verlage nicht, ihre sinkenden Abo- und Werbeerlöse zu kompensieren, verlieren sie ihre Existenzberechtigung. Der Bund als Abonnent mag für die SRG ein patentes Modell sein, für private Medienunternehmen ist er Gift.
Der Fall TX Group
Das ist die prinzipielle Überlegung. Daneben interessiert aber auch, wer oder was genau subventioniert werden soll. Das Komitee gegen die Medienförderung legt, polemisch oder nicht, die Finger auf den wunden Punkt. Die TX Group, die von den Subventionen am stärksten profitieren würde, verwaltet 40 Prozent der veröffentlichten Meinung in der Deutschschweiz und 70 Prozent in der Westschweiz. «20 Minuten», «Tages-Anzeiger», «Bund», «Berner Zeitung», «Basler Zeitung» – all das und noch viel mehr gehört zum Imperium der Familie Coninx.
Wer glaubt, dieses Zeitungskonglomerat habe sich in den letzten Jahren um den Journalismus besonders verdient gemacht, irrt. Obwohl sich der Verlag ein eigenes Korrespondentennetz gut leisten könnte und dies der Förderung von Schweizer Journalisten zweifellos dienen würde, stammt der Ausland-Teil bis auf wenige Artikel aus der «Süddeutschen Zeitung». Trotz der Grösse des Unternehmens wurde der Anspruch, eine eigene Zeitung zu kreieren, begraben.
Die TX Group hat ihr Geschäft in den vergangenen Jahren erfolgreich und renditebewusst optimiert. Sie hat so professionell wie kein anderes Schweizer Medienunternehmen nach den Regeln des Kapitalismus gespielt, sich den Markt einverleibt und die Kosten gedrückt. Das kann man machen. Stossend und bigott wird es aber, wenn ein solches Unternehmen die hohle Hand macht und die Steuerzahler bittet, für die angeblich notwendigen Investitionen aufzukommen, die es selbst schon lange nicht mehr tätigen will.
Eine Frage der Glaubwürdigkeit
Wer Subventionen für andere Branchen kritisch sieht und für freie Marktwirtschaft wirbt, selbst aber Staatsgelder in Anspruch nehmen will, verliert zu Recht an Glaubwürdigkeit. Linke, staatsnahe Medien haben dieses Glaubwürdigkeitsproblem weniger. Aber auch sie und ihre Leserinnen und Leser müssten sich eigentlich kritische Gedanken zu dieser Medienförderung machen. Ist es tatsächlich in ihrem Sinne, wenn schwerpunktmässig die grossen Schweizer Verlage mit Steuergeldern unterstützt werden?
Zur Ironie der Geschichte gehört es, dass Pietro Supino mit seiner TX Group und die Project R Genossenschaft (Herausgeberin der «Republik») gemeinsam für die Medienförderung werben. Dabei gehört die journalistische Enttäuschung über Tamedia (heute TX Group) schon fast zum Gründungsmythos der «Republik».
Supino und «Republik» vereint
Die klassenkämpferische Attitüde der «Republik»-Journalisten ruht in diesem speziellen Fall aber: Gemeinsam mit Supino freut man sich auf die künftigen Millionen. Gratis-Online-Medien, wie sie etwa Christoph Blocher herausgibt, würden von der Medienabgabe hingegen nicht profitieren. Im Falle der «Republik» ist der Steuerzahler aufgerufen, einem erlahmten linken Startup-Unternehmen wieder ein bisschen Leben einzuhauchen. Im Falle der TX Group darf der Steuerzahler helfen, die Dividenden eines anspruchsvollen Aktionariats zu zahlen.
Die geplante Medienförderung stärke die «Unabhängigkeit der Medien», sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga kürzlich an einem Branchenanlass. Das Gegenteil ist der Fall, die Medien würden stärker an den Staat gebunden. Was gut gemeint sein mag, schadet dem Journalismus und dem unternehmerischen Ehrgeiz. Dass die Verleger nicht die Kraft haben, sich aus der Umarmung der Politik zu befreien, ist bedauernswert. Gerade die Corona-Politik der Regierung, die mit der Einschränkung zahlreicher Grundrechte einhergeht, sollte deutlich machen, wie wichtig unabhängige und staatsferne Medien sind.
Artikel Original: https://www.nzz.ch/meinung/medienfoerderung-schweiz-staatshilfe-fuer-reiche-verleger-ld.1648667
