Recherchen des K-tipps zeigen; die Befürworter finden «Fakten sind nicht entscheidend»

Recherchen des K-tipps zeigen; die Befürworter finden «Fakten sind nicht entscheidend»

Das Plakatsujet des Komitees «Die Meinungsfreiheit» zeigt Wilhelm Tell, der mit einer Zeitung eine Mauer mit dem Schriftzug «Fake News» zum Einstürzen bringt.

Ausgerechnet die selbsternannten Kämpfer gegen Fake News wollen sich im Abstimmungskampf aber nicht so ganz an die Fakten halten. Das zeigt ein internes Dokument des Verbandes Schweizer Medien.

Auszüge aus dem Artikel:

,,, Darin steht: «In politischen Debatten sind nicht Fakten, sondern der gedankliche und emo­tionale Deutungsrahmen entschei­dend.»

… Die Kampagne will deshalb nicht über Subventionen an die Verlage reden, sondern «eine Grundsatzdebatte über Medien entfachen und nur begrenzt auf die Argumente der Gegner des Medienpakets eingehen».

Auch der K-Tipp würde von einem Ja profitieren. Und sagt NEIN.

Ein Ja zum Medienpaket würde die Postzustellung des K-Tipp pro Exemplar um 8 Rappen vergünstigen, pro Jahr um Fr. 1.60. Der Verlag Konsumenten­info, der den K-Tipp her­ausgibt, würde für alle deutsch- und französischsprachigen Zeitschriften zusätzlich rund 600 000 Franken Portosubven­tionen pro Jahr erhalten. Er lehnt das Gesetz trotzdem ab: Für die Kosten der Zeitungen sollen nicht die Steuerzahler aufkommen müssen. Zudem sieht er die Unabhängigkeit der Medien durch staatliche Subventionen tenden­ziell gefährdet.

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Der Bund will Medienanbietern ein bestimmtes Geschäftsmodell aufzwingen.

"Krasse Wettbewerbsverzerrung": OnlineReports-Gründer Knechtli, Real, Suter

Der Bund will Medienanbietern ein bestimmtes Geschäftsmodell aufzwingen.

Die Befürworter argumentieren häufig, dass ein Vorteil des Mediengesetztes die Förderung der Online-Medien sei. Genau das findet Peter Knechtli, Gründer von onlinereports.ch, die grosse Schwachstelle der Vorlage. Und hat auch eine Lösung parat.

Auszüge aus dem Artikel:

… Für OnlineReports ist die Gesetzesvorlage aus einem ganz anderen Grund, nicht nur untauglich, sondern eine Gefahr: Gefördert werden nur Online-Medien, die über eine Bezahlschranke verfügen oder andere zwingende Vorgaben wie die Bildung eines Vereins zur Akquisition von Publikumsgeldern erfüllen.

… dass neben OnlineReports auch andere professionelle Gratis-Medien leer ausgingen, ist keine Vielfaltsförderung, sondern verordneter Vielfaltsabbau, Privilegienpolitik und eine Wettbewerbsverzerrung der krassesten Sorte.

… hier liegt nach meiner Meinung die entscheidende Schwachstelle des Gesetzes, und nicht in drohenden „Staatsmedien“: dass der Bund den Informations-Anbietern ein bestimmtes Geschäftsmodell aufzwingen und die Konsumierenden dazu gesetzlich erziehen will, für Medieninhalte künftig konsequent zu bezahlen.

… die Vorlage lässt somit den historischen Bezug völlig ausser acht, das kein Online-Kanal – OnlineReports beim Start im Oktober 1998 schon gar nicht – in der Entstehung dieses Genres die Kostenpflicht kannte. Dies unter anderem, weil während vielen Jahren weder technische noch organisatorische Bezahlmodelle zur Verfügung standen.

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Ein Mediengesetz für die Medienkonzerne

Stützt sich auf falsche Zahlen und hilft als ehemaliger Preisüberwacher überraschend den Grossverlagen – Rudolf Strahm.

Ein Mediengesetz für die Medienkonzerne

Rudolf Strahm behauptete in seiner Kolumne, das neue Mediengesetz, über das wir am 13. Februar abstimmen, sei für die kleinen Verlage gemacht. Dabei stützte er sich auf falsche Zahlen. Richtig ist: Es profitieren vor allem die grossen.

In der Politik gibt es die Unsitte, dass, wer mit schwachen Argumenten in eine Debatte einsteigt, zuerst auf den Mann spielt. Diese Strategie wählte Rudolf Strahm in seiner Kolumne zum neuen Mediengesetz, indem er mich als «früheren, längst vergessenen» FDP-Nationalrat abstrafte. Doch seien wir nachsichtig mit diesem Vergessen des Verfassers.

Nicht nachsichtig bin ich, wenn mit falschen Fakten operiert wird. So behauptet Strahm, dass nach heutiger Berechnung die grossen Verlage von der indirekten Medienförderung nur marginal profitieren würden («Ringier bloss 3 Prozent, CH-Media 7 Prozent und Tamedia 11 Prozent»). Diese Zahlen sind aus einem Faktenblatt des Bakom abgeschrieben, das die Verteilung der indirekten Medienförderung im Jahr 2020 abbildet.

Nun diskutieren wir aber nicht den Status quo, sondern ein neues Gesetz. Und dieses hebt bei der indirekten Medienförderung die Auflagenobergrenze von 40’000 Exemplaren für den Bezug von Subventionen auf. Davon profitieren allein die Medienkonzerne, denn bei einem Ja würden neu auch «Tages-Anzeiger», «Blick» oder NZZ subventioniert. Diese Öffnung führt zu einer prozentualen Reduktion der Subventionen für die Kleinen.

Dazu kommt, dass die Subventionen aus dem neuen 40-Millionen-Topf für die Früh- und Sonntagszustellung praktisch zu 100 Prozent an die Grossen gehen, da nur sie Sonntagszeitungen herausgeben und fast nur grosse Verlage eine Frühzustellung anbieten. Wenn Strahm ungeachtet der neuen gesetzlichen Bestimmungen auf Basis des Standes von 2020 behauptet, «rund 80 Prozent der zukünftigen Medienförderung geht also an die kleineren Blätter…», dann hat er entweder das Gesetz nicht gelesen oder er will die Leserinnen und Leser bewusst täuschen. Beides kann ich mir bei einem ehemaligen Preisüberwacher eigentlich nicht vorstellen.

Unsere Berechnungen – offizielle Zahlen werden dem Stimmbürger vorenthalten – zeigen ein ganz anderes Bild. Die grossen Nutzniesser des Medienpakets sind die grossen Verlagshäuser. Dazu die Fakten: Die ausgeweitete Posttaxenverbilligung (plus 20 Millionen) geht zur Hälfte an die Grossen (siehe oben); die Verbilligung der Früh- und Sonntagszustellung (plus 40 Millionen) geht zu 90 Prozent an die Grossen (siehe oben); die Förderung der Onlinemedien (plus 30 Millionen) geht zu rund 80 Prozent an die Grossen, da primär diese über Bezahlmodelle im Internet und entsprechende Reichweiten verfügen; schliesslich gehen beim erhöhten Gebührensplitting (plus 28 Millionen) rund 70 Prozent an die Grossen, da konzessionierte Radio- und TV-Sender mehrheitlich den Grossen gehören.

Zählt man alles zusammen, dann gehen von 151 Millionen Franken neuen Subventionen 76 Prozent an die Grossen. Um Ungenauigkeiten Rechnung zu tragen, sprechen wir in der Nein-Kampagne von 70 Prozent, womit wir auf einer abgesicherten Grundlage argumentieren können.

Und schliesslich: Wenn es zuträfe, dass, wie Strahm behauptet, die «Lokalzeitungen in Gefahr» sind, dann wäre es nach gutschweizerischer Subsidiarität Sache der Kantone, sich des Problems anzunehmen – und nicht die Aufgabe des Bundes. Auch das müsste ein Berner Alt-Nationalrat wissen, zumal im Kanton Bern aktuell gerade eine kantonale Medienförderung diskutiert wird.

Ein Gastkommentar von Peter Weigelt im Tagesanzeiger

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Zunehmender Wissensstand stärkt Trend zum NEIN

Zunehmender Wissensstand stärkt Trend zum NEIN

Das Referendumskomitee «Mediengesetz NEIN» nimmt die ersten Umfragen zur Volksabstimmung vom 13. Februar 2022 über das neue Mediengesetz mit Befriedigung zur Kenntnis. Während die SRF-Umfrage von Ende Dezember noch ein Patt auswies, zeigt die aktuelle Tamedia-Umfrage von Anfang Januar bereits einen deutlichen Vorsprung für das NEIN-Lager. Darin dokumentiert sich zum einen der erst An-fang Jahr erfolgte Start der NEIN-Kampagne. Zum andern zeigt sich, dass mit wachsendem Wissensstand der Bevölkerung der NEIN-Anteil weiter steigt.

«Wir nehmen die Resultate der ersten Trendumfragen mit Genugtuung zur Kenntnis. Der in den Umfragen von SRF und Tamedia sichtbare Trend zum NEIN zeigt in die richtige Richtung. Er deckt sich mit unserer Erwartung, dass mit zunehmendem Wissensstand bei den Stimmbürgerinnen und -bürgern der NEIN-Anteil zunimmt.» sagt Peter Weigelt, Präsident des NEIN-Komitees.

Die Ergebnisse lassen darauf schliessen, so Weigelt, dass die Anfang Dezember gestartete Kampagne der Befürworter, trotz bundesrätlicher Unterstützung, kaum greift. Die NEIN-Kampagne dagegen, die erst Anfang Jahr lanciert wurde, löste bereits ein grosses Echo aus. Insbesondere konnten schon in den ersten Tagen zentrale Argumente der JA-Kampagne widerlegt werden. So wird heute breit erkannt, dass nicht die Kleinen, sondern vor allem die Grossen von der Vorlage profitieren. Über 70 Prozent der Subventionen fliessen in die Taschen der Grossverlage.

Zu zusätzlicher Ablehnung staatlich subventionierter Medien führt auch der international beachtete Fall Ringier. Die Aussage von Ringier-Chef Marc Walder, er habe seine Redaktionen konzernweit angewiesen, die Regierungen in der Pandemie zu unterstützen, rückt die Problematik der Staatsnähe von Medien in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte.

Die Resultate der ersten Trendumfragen zum Mediengesetz schaffen für die NEIN-Kampagne eine motivierende Ausgangslage. Denn für Weigelt steht fest: «Mit steigendem Wissensstand erkennt die Bevölkerung, dass die geplanten Mediensubventionen verfassungsrechtlich inakzeptabel, staats- und demokratiepolitisch schädlich und wettbewerbspolitisch diskriminierend sind. Der Trend zum NEIN wird sich damit weiter festigen.»

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Subventionen sind höher als angenommen

Subventionen sind höher als angenommen

In der aktuellen Abstimmung geht es um zusätzliche 178 Millionen Mediensubventionen pro Jahr. Dabei geht vergessen, dass es noch weitere Unterstützung für die Branche gibt. Laut Avenir Suisse würde die Medienbranche ausserhalb der SRG künftig mit gut einer halben Milliarde Franken jährlich subventioniert, wenn das Mediengestz angenommen würde.

Lokale und steuerliche Subventionen

In der öffentlichen Debatte zur Medienförderung steht oft die klar ausgewiesene Mediensubvention des Bundes im Zentrum und es geht vergessen, dass es noch weitere Unterstützung für die Branche gibt. Verschiedene Gemeinden subventionieren Dorfzeitungen – beispielsweise werden die Kosten der Ausserrhoder Dorfzeitung «Tüüfner Poscht» zu einem Drittel durch die Gemeinde Teufen gedeckt.

Subvention via Staatsbetrieb

Der Bundesrat schätzt, dass die reduzierten Mehrwertsteuersätze für Medienprodukte der Branche 2019 einen geldwerten Vorteil von rund 125 bis 130 Mio. Fr. verschafften.

Bei der Förderung durch Postvergünstigung wird manchmal nur auf die Subvention des Bundes von rund 50 Mio. Fr. verwiesen. Diese Sichtweise unterschätzt aber die effektive Unterstützung. Die Allgemeinheit trug 2020 zusätzlich noch 93 Mio. Fr.

Steter Ausbau der Förderung

Weil die diversen Subventionen für die Medienbranche nicht konsolidiert veröffentlicht werden, ist ein Vergleich über die Jahre schwer vorzunehmen. Die vorhandenen und hier zusammengetragenen Daten deuten aber darauf hin, dass die Medienförderung über die vergangenen Jahre stetig ausgebaut wurde; die Subventionen dürften um Faktoren schneller gestiegen sein als etwa das allgemeine Preisniveau.

Zum vollständigen Artikel von Avenir SuisseZur Zusammenfassung auf persoenlichzurück zur Übersicht

Die Aussagen von Ringier-CEO Marc Walder sorgen für mediale Empörung

Die Aussagen von Ringier-CEO Marc Walder sorgen für mediale Empörung

Zahlreiche Schweizer Medien haben die am Wochenende enthüllten Aussagen von Ringier-CEO Marc Walder thematisiert und kommentiert. Dabei reagierten sogar Journalisten von Verlagen, die vom neuen Mediengesetz profitieren würden, empört über Walders Haltung. Hier ein Auszug einiger Artikel:

... Gift für die Demokratie.

Ringier-Chef Marc Walder bekennt in einem internen Video, die Corona-Berichterstattung zu lenken. Das untergräbt die Glaubwürdigkeit der Medien.

Erschienen im Tages Anzeiger
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... dies ist eine Bankrott-Erklärung.

Was ist die Aufgabe des Journalismus in Zeiten von Corona? Laut dem Ringier-CEO Marc Walder geht es darum, Regierungen in ihrer Pandemiepolitik zu unterstützen. Die Aussage offenbart ein befremdliches Verständnis von Journalismus.

Erschienen in der NZZ
Zum Artikel

Ringier-Chef Walder verrät Journalismus

Unprofessionell und liebdienerisch: Das zeigt Audio-Mitschnitt des Boulevard-Lenkers zu Covid-Regierungstreue. Blick dankt ab.

Erschienen auf Inside Paradeplatz
Zum Artikel

Die «unjournalistische» Aussage von Ringier-CEO Marc Walder

Die Ringier-Titel sollten in der Pandemie die Politik der Regierungen vertreten, so Walder. Das wirft Fragen über die Rolle der Medien in einer Krise auf.

Erschienen auf SRF Online
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Medien dürfen nicht das Sprachrohr der Politik sein

Die Ringier-Titel sollten in der Pandemie die Politik der Regierungen vertreten, so Walder. Das wirft Fragen über die Rolle der Medien in einer Krise auf.

Erschienen in 20Minuten
Zum Artikel

Mit seinen Aussagen offenbart Ringier-CEO Marc Walder ein befremdliches Verständnis von Journalismus

Erschienen im St.Galler Tagblatt
Zum Artikel

Videomitschnitt über Schweizer Medienmanager sorgt für Empörung

Erschienen im SPIEGEL
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Schwere Vorwürfe gegen Ringier-Chef

Erschienen in der ARD Tagesschau
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Schwere Vorwürfe gegen Ringier-Chef

Erschienen in der Bild Zeitung
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Lesermeinungen

Zitate von Journalisten

«Walders Aussage ist Gift für das wertvollste Kapital der freien Presse: ihre Glaubwürdigkeit.»

Michèle Binswanger am 3.1.2022 im Newsnetz von Tamedia

«Was der CEO eines der grössten Medienunternehmen der Schweiz da zum Ausdruck bringt, ist eine journalistische Bankrotterklärung. Mildernde Umstände gibt es nicht, denn Walder scheint zu wissen, was er tut.»

Benedict Neff in der NZZ vom 4.1.2022


Geheimes Video zeigt: Ringier-CEO Marc Walder zwingt Redaktionen auf Regierungskurs

Geheimes Video zeigt: Ringier-CEO Marc Walder zwingt Redaktionen auf Regierungskurs

Leserinnen und Leser fragen sich schon lange, woher die extreme Nähe der Ringier-Medien zum Staat und seiner Corona-Politik kommt. Jetzt zeigt ein Geheimvideo: Ringier-CEO Marc Walder hat den Redaktionen die Regierungstreue verordnet. Von Philipp Gut

In der Schweiz ist es bekannt: Die Ringier-Medien, allen voran die Blick-Gruppe, sind das Megafon des Staates, wenn es um die amtliche Corona-Politik geht. Zwischen dem Ringier-Verlag und Gesundheitsminister Alain Berset scheint eine Standleitung zu bestehen. Regelmässig berichten die Ringier-Medien vorab, was Berset demnächst verkünden wird. Kritik am staatlichen Handeln – und zu kritischer Berichterstattung gäbe es Anlass genug – sucht man in den Ringier-Medien vergeblich. Der Eindruck beim Lesen: Blick & Co. sind regierungstreu bis zum Abwinken. Statt objektiv und kritisch zu berichten, wie es dem Selbstverständnis eines ernstzunehmenden Journalismus entspricht, betätigt man sich bei Ringier lieber als verlängerter PR-Arm von Bundesbern.

Wer steuert die Redaktionen?

Auch in anderen Ländern, wo Ringier tätig ist, fällt auf, dass die Ringier-Medien das Boulevard-Geschäft aufgeben, sobald es um offizielle Covid-Massnahmen geht.
Leserinnen und Leser fragen sich, warum das so ist. Liegt es einfach daran, dass die Journalistinnen und Journalisten freiwillig mit dem Strom schwimmen? Oder werden die Redaktionen gesteuert?
Ich muss gestehen, dass ich bisher immer die erste These vertreten habe. Die zweite – nennen wir sie die Marionettenthese – klang für mich nach Verschwörungstheorie. Irgendwelche mächtigen Männer im Hintergrund sollen den Journalisten vorschreiben, wie sie zu berichten haben? Ich hielt das für abwegig. Ganz besonders in einer liberalen und aufgeklärten Demokratie wie der Schweiz.

Das für Unmöglich Gehaltene ist Tatsache

Doch jetzt kommt aus: Zumindest im Falle von Ringier sind die Redaktionen von oben gesteuert. Und das ist belegt: In einem Video, das im kleinen Kreis aufgenommen wurde und auch dortbleiben sollte, spricht Marc Walder, CEO und Managing Partner der Ringier AG, das für unmöglich Gehaltene aus. Er sagt in dem Filmausschnitt sinngemäss, dass er seine Redaktionen weltweit angewiesen hat, auf jegliche Kritik an der offiziellen Corona-Politik zu verzichten und stattdessen einen strammen Regierungskurs zu fahren.

«Wir wollen die Regierung unterstützen»

Die entsprechenden Aussagen machte Walder am 3. Februar 2021 im Rahmen der Gesprächsreihe «Inspirational Talk» der Schweizerischen Management Gesellschaft. Das virtuelle Gespräch dauert 1:05:18 und wurde vollständig aufgezeichnet. Die entscheidenden Sätze sagt Walder nach Minute 49. «Wo sehen Sie grundsätzlich die Aufgabe der Medien in der Pandemie?», wollte ein Gesprächs-Teilnehmer wissen.
Darauf Walder: «Wir hatten in allen Ländern, wo wir tätig sind – und da wäre ich froh, wenn das in diesem Kreis bleibt – auf meine Initiative hin gesagt: ‹Wir wollen die Regierung unterstützen durch unsere mediale Berichterstattung, dass wir alle gut durch die Krise kommen.›»
Walder ist offenbar bewusst, dass dieses Bekenntnis seines Eingriffs in die Redaktionsfreiheit Sprengstoff birgt («da wäre ich froh, wenn das in diesem Kreis bleibt»), denn er fährt fort: «Das mag Sie jetzt überraschen, aber ich will es an einem Beispiel festmachen.» Walder nennt als Musterbeispiel einer Redaktion, die seinen Appell zur Regierungstreue brav umsetzt, die Blick-Gruppe.

Regierungs-Unterstützung statt Journalismus

Walder dazu weiter: «Meine These ist, um auf diese Frage zurückzukommen: Das nützt im Moment niemandem etwas. Wir müssen versuchen, dass die Politik, ob sie jetzt genug schnell, genug hart, zu wenig hart usw. agiert, das Volk nicht verliert. Und hier dürfen die Medien nicht einen Keil treiben zwischen der Gesellschaft und der Regierung.»
Als Journalist und Bürger eines demokratischen Staates läuft es mir bei diesen Sätzen kalt den Rücken runter. Solch unverfrorene Komplizenschaft zwischen Staats- und Medienmacht kennt man sonst nur aus autoritären Regimes. Verblüfft nehmen wir zur Kenntnis: Der Medienkonzern Ringier schafft sich selbst als unabhängige und kritische Instanz ab und macht statt Journalismus PR für die Regierung.

Ringier sieht Redaktionsfreiheit nicht gefährdet

Wir haben Marc Walder mit seiner Direktive konfrontiert. Die Frage, ob diese inhaltliche Vorgabe des Managements an die Redaktionen nicht deren journalistischer Freiheit widerspreche, lässt Walder durch eine Ringier-Sprecherin mit «Nein» beantworten. «Zwischen Marc Walder und vielen Chefredaktorinnen und Chefredaktoren der Ringier-Gruppe findet seit vielen Jahren ein konstanter und konstruktiver Dialog statt.»
So kann man das auch nennen.
Ausserdem wollten wir von Walder wissen, ob es im Hause Ringier üblich sei, dass den Redaktionen vom Management vorgeschrieben wird, wie sie über bestimmte Themen zu schreiben haben. Antwort Ringier: «Die Redaktionen und Mitglieder der Konzernleitung, insbesondere CEO Marc Walder, Ladina Heimgartner als globale Leiterin Medien und Alexander Theobald als CEO von Ringier Axel Springer Schweiz, tauschen sich konstant aus. Die Verantwortung und Hoheit der publizistischen Berichterstattung liegt stets bei den Redaktionen.»
Schliesslich stellten wir Walder die staatspolitische Grundfrage: Wie sollen die Medien ihre Aufgabe als kritische vierte Macht im Staat wahrnehmen, wenn sie die Regierung unterstützen müssen? Und wie soll man die Medien dann noch als glaubwürdig und unabhängig wahrnehmen? Darauf gehen Walder und Ringier nicht ein und behaupten entgegen den Fakten in einer 180-Grad-Wende, dass die Ringier-Gruppe «die Massnahmen der Regierung – gerade während dieser Pandemie – stets kritisch hinterfragt» habe.

Neues Mediengesetz: Anreiz für kritischen Journalismus schwindet

Zusätzliche Brisanz erhält der Befehl von Walder an seine Redaktionen vor dem Hintergrund der Volksabstimmung über ein «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» vom 13. Februar 2022. Das neue Mediengesetz sieht eine Vervielfachung der Subventionen an private Medien von heute 53 auf 178 Millionen Franken jährlich vor und bindet die Medien damit noch enger an den Staat. Ringier würde zu den Hauptprofiteuren zählen, denn rund 70 Prozent der neuen Subventionen gehen an die Grossverlage. Der Anreiz, staatsunabhängigen und kritischen Journalismus zu machen, dürfte damit gegen Null tendieren. Die Medien, die Ephraim Kishon einst als bellende Wachhunde der Demokratie bezeichnete, würden zu Schosshündchen an der Leine der Politiker schrumpfen.

Dr. Philipp Gut ist Journalist, Buchautor und Inhaber der Kommunikationsagentur Gut Communications. Zudem ist er Geschäftsführer des Abstimmungskomitees «Mediengesetz NEIN».

Foto: Keystone-SDA

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Faktencheck, Frau Bundesrätin

Faktencheck, Frau Bundesrätin

Am 13. Februar stimmen wir über das «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» ab, welches die Subventionen an die privaten Medien massiv erhöht. Bundesrätin Simonetta Sommaruga und der Präsident des Verlegerverbands, Pietro Supino, behaupten, das viele Steuergeld komme vor allem den Kleinverlagen zugute. Aber stimmt dieses zentrale Argument der Befürworter überhaupt? Ein Faktencheck.

Am 2. Dezember sagte Bunderätin Sommaruga anlässlich ihres Auftakts zur Abstimmungskampagne für das Massnahmenpaket im Echo der Zeit von Radio SRF: «Diese Vorlage machen wir in erster Linie für die kleinen und mittleren Verlage.» Was ist von dieser Aussage zu halten? Sind die kleinen und mittleren Verlage wirklich die Gewinner des neuen Medien-Subventionsgesetzes?
Wir machen den Faktencheck.

Das Medien-Subventionsgesetz im Faktencheck

Früh- und Sonntagszustellung:

Mit dem Massnahmenpaket sollen neu 40 Mio. für die Vergünstigung der Früh- und Sonntagszustellung ausbezahlt werden. Da die allermeisten kleinen und mittleren Verlage aber weder das eine noch das andere haben, gehen diese 40 Mio. praktisch vollständig an die vier grossen Medienkonzerne. Zusätzlich soll die bestehende Posttaxenverbilligung von 30 auf 50 Mio. Franken erhöht werden. Da aber gleichzeitig die bestehende Obergrenze von 40’000 Exemplaren und von 100’000 Exemplaren bei Kopfblättern aufgehoben wird, greifen neu auch die Medienkonzerne mit ihren grossen Auflagen in diesen Topf. Konkret würden damit neu auch die auflagenstarken Zeitungen unterstützt, beispielsweise die NZZ, der Blick oder der Tages-Anzeiger! Da bleibt für die Kleinen nicht mehr viel.

Online-Subventionen:

Kommen wir zu den direkten Subventionen von 30 Mio. im Onlinebereich. Diese sind auf die Förderung von Online-Medien beschränkt, die Publikumseinnahmen erzielen. In der Praxis bestehen aber kaum Bezahl-Plattformen, die von kleinen und mittleren Verlagen betrieben werden. Denn solche Angebote sind für diese zu teuer und ihr Zielpublikum ist zu begrenzt. Also wird auch hier der weitaus grösste Teil der Subventionen direkt in die Taschen der Grossen fliessen.

Gebührensplitting:

Als nächste Kasse wird das Gebührensplitting geöffnet, aus der zusätzlich bis 28 Mio. Franken an regionale TV- und lokale Radio-Stationen verteilt werden sollen. Auch hier braucht es keine lange Begründung, weshalb diese Gelder ebenfalls zu den Grossen fliessen. Kleine Verlage verfügen schlicht nicht über entsprechende Konzessionen.

Weitere Subventionen:

Schliesslich stehen neu 25 Mio. für allgemeine Massnahmen für die Medien zur Verfügung. Dazu zählt insbesondere die Unterstützung von Nachrichtenagenturen und die Aus- und Weiterbildung. Finanzielle Unterstützung erhält auch der Presserat als Selbstregulierungsorgan der Medienbranche. Weiter sollen elektronische Medien unterstützt werden, wenn sie zusammen in IT-Infrastrukturen investieren. All diese Massnahmen nützen kleinen und mittleren Verlagen wenig bis nichts. Geld sehen sie auch hier kaum.

Faktencheck nicht bestanden

Die Fakten sind klar. Von den insgesamt 257 Mio. Franken (ohne die Mitgliedschaftspresse), die neu jährlich verteilt werden sollen, gehen rund 70 Prozent direkt in die Taschen der vier grossen Medienkonzerne Tagesanzeiger-Gruppe, Ringier, CH Media und NZZ. Nimmt man die «Top Ten» der Verlage, dann kassieren diese zusammen weit über 80 Prozent der Subventionen.
Vor diesem Hintergrund das «Massnahmenpaket zugunsten der Medien» als Vorlage für die kleinen und mittleren Verlage zu bezeichnen, hält dem Faktencheck nicht Stand. Vielmehr zeigt sich beim genauen Hinsehen, dass die neuen Mediensubventionen kaum bis zu den Kleinen kommen, sondern zum grossen Teil in die Taschen der grossen Medienkonzerne fliessen.

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Und ewig locken die Subventionen

Und ewig locken die Subventionen

Die Rechtfertigungen für den vorgeschlagenen Ausbau der Staatshilfen für Medien sind fragwürdig.

Ein Artikel von Hansueli Schöchli, erschienen in der NZZ.

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Weihnächtliche Ruhe vor dem Sturm

Weihnächtliche Ruhe vor dem Sturm

Das Volk befindet am 13. Februar über die Medienförderung. Das Referendum dazu kam 2021 zustande. Grosse Verlage berichteten logischerweise nur wenig darüber. Gedanken zum Jahreswechsel von Matthias Ackeret, Verleger und Chefredaktor von «persönlich».

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